Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 37 (Dezember 1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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497 Palastina, ganz frisch importiert haben. Nein, ein noch so jüdisches Ziel wird uns der Notwendigkeit eines ebenso jüdischen Wege» nicht entraten lassen können. Es ist ein Nonsens, wenn Du behauptest, daß etwas anderes als diese ..Organisationshypnose'' uns hier im Westen zusammenhält. l)ic Leute, die Deinem Vorschlag entsprechend in ganz lockerem Zusammenhang mit der viel gehafVten Organisation „sich selbst dienen" sollen, um auf diese Weise unserer Gesamtheit zu dienen, werden den ersteren Teil ihrer schönen Aufgabe sicherlich sehr gewissenhaft erfüllen. Inwieweit sie sich aber des zweiten Teiles entledigen werden,---? Kurz und gut ich bin wohl nicht der Einzige, der da stark skeptisch urteilt. Und glaubst Du denn, Fritz Kraft, daß die Organisation jemals in der Lage sein wird, „uns für unsere Mühe ausreichend zu entschädigen", bevor wir nicht durchgebildete und bewährte Kaufleute in ihren Dienst gestellt haben? Gewiß ist die Organisation nicht das Volk, aber sie ist für uns im (Westen sein einzig conkreter Ausdruck und nur in ihr und durch sie haben wir die Möglichkeit unmittelbar für das Volk, also buch für uns zu arbeiten. Und schließlich: Tatsächlich sind „die anderen" und nicht „wir" das Volk, wir sind höchstens „ihr" ganz schwächliches Anhängsel, das allein nur herzlich wenig jüdische Bedeutung hätte, nuch dam, wenn es beginnt „genügsam" zu werden. Hat denn den Satz von dem „törichten Versuch uns nach Osten zu assimilieren" wirklich einer unserer Bundesbrüder geschrieben? Heißt das nicht den einzigen Weg versperren, der uns noch in den Bereich ..selbstverständlichen" jüdischen Volkstums führen könnte? Und würden wir uns in Palästina nicht doch notwendig rcassimilieren müssen? Oder glaubst Du, Fritz Kraft, daß man in Erez Jisroel „Volksjude" werden könnte nur auf Grund der Tatsache, dal man vorher im dolus als tüchtiger und „sich rentierender ' Kaufmann der Organisation jährlich einige hundert Mark hat zukommen lassen und nichts weiter? Ist nicht hebräisch lernen (für ach so viele von uns weder eine „Möglichkeit" noch eine „Selhstverständlichkcir1') eine Assimilation nach Osten? Ist das in jeder Beziehung so östliche Palästina nicht auch Dein Ziel, Fritz Kraft? Gewiß verkennt keiner von uns die Notwendigkeit, beruf Ikh-fcaufrruuuiisch sich vorzubereiten und, wenn irgend möglich, Tüchtiges zu leisten. Auch scheint eine Besprechung meinetwegen des Baumwullmarfcte* ersprießlicher als eine gequälte Diskussion über meilenweit hergeholte Ibsenprobleme. Aber zum Teufel mit allem „Fachwissen*', wenn darum schon jetzt in den ersten zartesten Anfängen das in die Brüche gehen soll, was unser heißestes und stärkstes Streben •ein soll: Der Weg ins Judentum hinein! Z. Zt. Cottbus Alfred Marcus. Berlin.