Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 37 (Dezember 1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Vertreter haben in der Türkei nur dann einen Zweck, wenn sie ganz orient- und branchekundig sind, am besten ist in jedem Falle die Gründung einer eigenen Filiale; vielleicht empfiehlt es sich, daß mehrere Firmen, die ohne miteinander zu konkurrieren, sich in ihren Artikeln ergänzen, eine gemeinsame Filiale unterhalten, um die hohen Spesen des türkischen Geschäftes zu vermindern. Kredite von 4—6 Monaten sind durchaus üblich; auf längere* Kredite soll sich kein anständiger Kaufmann einlassen. Man legt sich unnötig fett und verdirbt den Orientalen geschäftsmoralisch. Der Praktiker muß sich immer vor Augen halten, daß es kaum ein verwickelte res Wirtschaftssystem als das türkische gibt, daß ohne ein genaues Vorstudium ein Erfolg nie zu erreichen ist. Junge betont gerade diesen Punkt bei jeder Gelegenheit und weist auf die mannigfachen Möglichkeiten hin, die sich dem deutschen Kaufmann dazu bieten, die erforderlichen Kenntnisse zu erlangen. Im persönlichen Auftreten ist die Beobachtung des richtigen Taktes absolut wichtig. Der Orientale hält hierauf viel mehr als der Europäer. Er verlangt unbedingt persönliche Aufmerksamkeit und persönliches Verständnis; er kennt nicht nur Sachlichkeit, sondern auch Gefühl. Der Türke ist durchaus selbstbewußt und stolz. Jedes laute Auftreten, Schneid usw., stößt ihn ebenso ab wie würdelose Nachgiebigkeit. Vielleicht ist das Finden dieses richtigen persönlichen Verhältnisses des Europäers zum Orientalen oft der schwierigste Teil der ganzen Sache. Junge unterscheidet vier Stufen für den Unternehmer, der eine Anknüpfung mit der Türkei erstrebt: daß er 1. sich klar ist, in welcher bestimmten Richtung er sich betätigen will; 2. sich klar darüber ist, was dort speziell gewollt wird, daß er 3. mit .indcren in Betracht kommenden deutschen Wirtschaftskrise in engere Fühlung trete und 4. dann im persönlichen Besuch die Anknüpfung zu gewinnen. Der organische Aufbau des Ganzen, unbedingte Klarheit und selbstverständlich kaufmännische Tüchtigkeit bind das, was erforderlich ist. Man hat mit Recht die Juden als Mittler zwischen den beiden Kulturen des Abend- und Morgenlandes bezeichnet. Für die Anbahnung wirtschaftlicher Beziehungen gelten die gleichen Momente, wie für die geistig sozialen. Auch der wirtschaftliche Verkehr mit dem Orient ist, wie schon gesagt, eine durchaus persönliche Sache, die sich von Mensch m Mensch abspielt. Der Jude als Orientale steht dem Türken ungleich näher als der ganz arisch gerichtete IX* titsche. Der Jude wird daher mehr als dieser im persönlichen Verkehr und Meinungsaustausch geistiger wie ge- Khiftlichci Art den richtigen Weg und Ton finden. Es ist hier-