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Herzl-Bund-Blätter · 1917-12-01 · 37 (Dezember 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
37 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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402 II. Sind die Hoffnungen und Erwartungen für eine dentsch-tftrkische Rohstoffversorgung in der nächsten Zeit vielfach phantastisch und übertrieben, so gilt das gleiche für den Export deutscher Indnstrieprodukte nach der Türkei. Man vergißt zunächst auch hier, über dem Projektemachen wie so oft, da Ii die türkische Wirtschaft noch viel zu wenig kaufkräftig ist, noch viel zu schwach und unentwickelt, als daß in einem größeren deutschen Export schon erhebliche Beträge erreicht werden könnten. Dazu kommt, daß Deutschland in der Türkei auch keineswegs ein allgemein wirtschaftliches Monopol besitzt und keine Waren aufdrängen kann. Hier gilt der Satz, den Junge gewissermaßen als Hauptgrundsatz für den ganzen Komplex von Fragen aufstellt, daß Deutschland der Türkei beistehen muß, türkisch und nicht deutsch öder erzwungenermaßen deutsch-türkisch zu werden. Daß wir im gesamten türkischen Wirtschaftsleben — einschließlich der Wirtschaftspolitik — so mitzuarbeiten verpflichtet sind, als wenn wir selbst Türken wären. So erscheinS auch der deutsche Export nach der Türkei durchaus als „Wechsel auf langes Ziel". Hierzu kommt noch ein sehr wesentliches Moment hinzu. Im System des wirtschaftlichen Aufbaues der Türkei steht unerläßlich auch die Gründung eigener türkischer Industrien. Die Türkei wird und muß in Zukunft die Güter, an deren Rohstoffen sie reich ist, selbst im Inlande erzeugen. Folgende Industrien werden demnach in den kommenden Jahren etwa alt türkische Aktiengesellschaften entstehen müssen: Textil-, Mühlen-, Ziegel-, Schuh- und Leder-, Petroleum-, Zucker-, Zement-, Kon- M-rvt nindustrien; Gerbereien, Färbereien, Baumwoll- und Seidenspinnereien und -Webereien usw., Industrien, die nicht mir direkt für die Türkei von Nutzen sind, sondern auch im Interesse der ihr liefernden Staaten unbedingt erforderlich, um das Land stark, kapitalbildend und kaufkräftig zu machen. Bei dem Vorhandensein der nötigen Rohstoffe, der Verwendbarkeit der erforderlichen rein türkischen Arbeitskräfte und dem im Kriege immer mehr gelösten Problem des Heizmaterials (Verwendung von Kohlenmischungen, Naphta, Elektrizität usw.) dürften diese Industrien nicht sehr lange auf sich warten lassen. Dem deutschen Unternehmer und deutschen Kapital eröffnet sich damit ein weites Arbeitsgebiet. Der deutsche Export nach der Türkei wird somit nicht nur reiflich, sondern auch sachlich beschränkt. In Frage kommen in der Hauptsache verfeinerte Spezialartrkel, die erst sehr spät in der Türkei werden hergestellt werden können, in deren Erzeugung aber gerade Deutschland groß ist: die verschiedensten Geräte und Matchinen, besonders landwirtschaftlicher Art und solche zur Errich-

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