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Herzl-Bund-Blätter · 1917-12-01 · 37 (Dezember 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
37 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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488 und werden es lernen, wollen wir nicht Helden der Phrase und schwache Halbnaturen bleiben. Niemals hat mich — und damals persönlich noch mit Recht — ein höhnischer Vorwurf schwerer getroffen als ein Ausspruch Fromers in einer Schrift gegen die Zionjsten, in der er schrieb, daß unsere jungen Leute wohl auf Makkabäerbällen in sorgsam gestärkten Hemdbrüsten zu tanzen wüßten, aber nun Erlernen des Hebräischen noch keine Zeit gefunden hätten. Und weiter: Niemals und nirgendwo dürfen wir, solange noch diese Bräuche nach außen hin und im Innern als jüdische schlechthin gelten, durch Nichtachtung uns öffentlich über sie hinwegsetzen. Man muß nicht am Sabbath öffentlich rauchen, solange es als unjüdisch gilt und große Teile der Unsrigen aufs Tiefste verletzt, und man kann manche andere Brüskierung vermeiden, wenn man sich der Verantwortung bewußt bleibt, die jeder einzelne Zionist, der sich als solcher gibt, für die gesamte Bewegung trägt die oft genug nach seinem Verhalten beurteilt und verurteilt wird, und wenn man, wie gesagt, wirklich ehrlich und konsequent den Weg zum Herzen des Ostjuden besten Schlages sucht. Ich sagte vorhin: wer sich hier erst einmal eingelebt hat, wird niemals wieder das kernjüdische Milieu missen mögen, das ihn hier umwoben hat. Und ich füge hinzu, der wird auch den Wunsch empfinden, etwas davon, was bei uns in Deutschland so selten geworden ist, seinen Kindern zu vermitteln. Leiden wir darunter, daß wir im entjudeten Milieu aufgewachsen sind, daß wir altjüdische Poesie des Familienlebens nicht kennen gelernt haben, daß uns das geistige Vermächtnis großer Ahnen ein vorschlossenes Buch geblieben ist, so soll und darf das nicht auch das Geschick unserer Kinder sein, in denen wir unsere Ideale weiter fortpflanzen und sie selbst zu Menschen aus einem Ouß formen wollen, die nicht ruhelos vom Oolus zerrieben werden können. Darum: wir müssen Frauen suchen, die das jüdische Wissen besitzen, was uns abgeht, die sich so voll saugen konnten an Judentum und jüdischem Wesen, daß sie ein Lebenlang uns und unseren Kindern davon mitteilen, unser Haus zu einem ganz und gar jüdischen aufbauen können. Leider trifft man heute, wie ich eingangs ausführte, die echtjüdische Frau unter der heranwachsenden Generation nicht mehr in dem reichen Maße an, wie bei der alten. Die russifizierende Erziehungsmethode der Töchterinstitute und Mädchengymnasien hat da schon zu viel schöne Blüten mit rauher Faust geknickt. Das ist ein nicht genug zu beklagendes Unglück. Denn wer die Freude harte, unter den Frauen der älteren ostjüdischen Generation jene ganz prachtvollen bescheidenen aufopferungsvollen, von echt fraulich-mütterlichen Liebreiz umflossenem Hausfrauengestalten kennen zu lernen, die auch das kärglichste Heim warm und heimlich zu machen verstehen, die in der Liebe zu Mann und Kindern aufgehen und jede freie Minute

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