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Herzl-Bund-Blätter · 1917-12-01 · 37 (Dezember 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
37 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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487 Bau gebrochen sind und opportunistisches Paktieren an die Stelle opferwilligen und opferfreudigen Versenkens in eine in Fleisch und Blut übergegangene und mit Kopf und Herz erfaßte Tradition getreten ist. Ich will damit ruhig und offen sagen, daß sich in mir im Osten meine schon früher instinktiv vorhanden gewesene Ansicht zu aufrichtiger Ueberzeugung vertieft hat, daß derjenige von uns, dem es kein Opfer seiner Weltanschauung bedeutet, sondern der auch in seinen religiösen Ansichten voll und ganz auf dem Boden des Judentums steht, die Pflicht hat — vor allem vor sich selbst und um seiner selbst willen — möglichst nun auch alle Halbheiten zu meiden und, so weit es ihm nur möglich ist, — und ich habe gesehen, daß vielen möglich ist, was mir persönlich als unmöglich erschien — sich in den Oeist und die Formen der jüdischen (jotteslehre hineinzuversenken. Denn auch der nationalste Jude wird niemals ganz und gar, niemals restlos Jude sein können und als solcher von den Massen, mit denen wir verwachsen wollen, als Volljude empfunden werden, wenn er entweder gänzlich unwissend in allen dem Gros der den Ostjuden heiligen Dingen ist, die sein Tagewerk verschönern und mit dem Hauche des Ewig-Einzigen durchwehen, oder wenn er dem, was sie mit absoluter Selbstverständlichkeit als zum Wesen des Judentums unbedingt und unverrückbar gehörig erkennen, etwa mit ironischer Skepsis oder zynischem Spötteln gegenübersteht Zu einem vollkommenen Einswerden mit dem jüdischen Kcrnvolk, zu einem ineinander Verwachsen, wie es uns — nicht um des Ostjuden etwa willen sondern zur notwendigen Auffrischung unseres Judentums zur Harmonisierung und Vereinheitlichung unserer Seele als erstrebenswert erscheint, halte ich es für notwendig, daß wir mit dem Ostjuden nicht nur in der politischen Versammlung zusammentreffen und ökonomische Kämpfe Schulter an Schulter mit ihm durchfechten, sondern auch dort brüderlich neben ihm stehen, wo sich die Seele unseres Volkes immer noch am reinsten und innigsten offenbart: im Bern hamidrasch und im Beth haknessed, im Lehrhaus und im Bethaus. Wir können nicht „lernen" wie die Alten, die sich hineinspinnen und eingraben in die Lehre, deren wirklichkeitfremdes •- gerade darum so schönes und reines — Auge nur für die Sfarim kodauschim Blick und Leben hat, aber wir sollen uns unbedingt die grundlegenden Kenntnisse der .jüdischen Religions- und Sittenlehre, der Schrift und all dessen verschaffen, was im Osten und in allen volljüdischen Kreisen als zum Juden gehörig gilt. Wir müssen die Sprache kennen, in der unsere heiligen Bücher abgefaßt sind, nicht nur Palästinas wegen, sondern auch um uns überall in der Diaspora auf den Fleckchen jüdischer Erde, die wir dort besitzen, den Bet- und Lehrhäusern nicht als Fremde zu empfinden. Das Hebräische erschließt uns den Weg zur Erforschung des Sinne» unserer Schrift und zu den Herzen unserer Brüder. Wir müsteu

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