Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 36 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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461 denken hier noch zu russisch. Genau so ist es mit der Warenausfuhr. Sie versuchen immer wieder dem einzelnen Soldaten Bestechungen anzubieten und fallen oftmals sehr dabei herein. Durch diese Handlungen wird das Vertrauen der deutschen Soldaten zu den Juden sehr beeinträchtigt. Also noch kurz zu den Teebuden. Du nun durch die Ausfuhr und die Handelsverbote der Handel sehr beschränkt ist, machen die Juden solche Teebuden auf. Der Verdienst ist ein sehr geringer, wegen der teuren Selbstkostenpreise. Die Leute können nicht bestehen und fangen bald an, die Soldaten zu neppen. Die Soldaten merken es natürlich nicht und werden die größten Antisemiten. Viel schlimmer ist e< aber noch, daß die Töchter der Besitzer bald ihre Unschuld verlieren und daß so eine Teebudk* dann zum Bordell herabsinkt. Den Fall habe ich schon in sehr vielen Fällen erlebt. Wer in den kleinen Städten noch etwas Oeki hat, lebt eben davon, verdient wird so gut wie garnichts mein Das Geld ist in den Händen der Bauern, die fest darauf sit/en und jetzt sich garnichts anschaffen. Ich glaube, in einem Jahr sind die Zustände hier schrecklich. Nun zurück zu Lomsta. L. ist eine der wenigen Städte Polens, in der der Zionismus etwas Boden gewonnen hat und die Vereine einen günstigen Eindruck machen. Es gibt dort eine Ortsgruppe und einen Jugendvereiii, ist von dein Besitzer und Direktor des dortigen jüdischen Gymnasium gegründet worden und ist ein sogenannter Lesehallenverein. In ganz Polen sind seit der Besetzung derartige Vereine gegründet worden. In den kleinsten Städten sogar sind sie zu finden, fast imiiiei neutral, das heißt orthodox und zionistisch und die wenig assimilierten Kleinstadtbewohner zusammen; in einigen Städten hat man auch nur Chassidim, zionistische Vereine sind nur in Warschau. Wlochawek, Lomza und Lodz. Die Vereine mieten sich 1 1 Zimmer und haben dort ihre Bibliothek und einige Zeitungen au stiegen. Vorträge finden fast nicht statt. So habe ich' in Lomza einen gehört, der mir ganz gut gefallen, überhaupt der ganze Verein ist so leidlich, natürlich weit entfernt von unseren Ideen über Verein* Ferner findet man in fast allen Städten Volksküchen-Vereine, die von der Jugend gegründet und unterhalten werden. Zuerst wurden in Wlochawek. Lodz und Kaiisch, wohl auf Anregung des Hilfsvereins der deutschen Juden, solche Vereine gegründet. Die männliche Jugend bringt das Geld auf durch Sammlungen und die weibliche beaufsichtigt die Essen-Ausgabe usw. Arbeiten tun natürlich beide Teile nicht viel, besonders zeichnen sich hierdurch die Damen aus; die Arbeiten, wie kochen, müssen überall bezahlte Kräfte mächen, sie selbst tun keinen Handschlag. Jetzt sind in allen Orten Volksküchen aufgemacht worden, den Orundfond muH leider immer ein Ball mit Tanz abwerfen, wie bei uns die WohltätigkeitsbaJIc Die Hälfte der Kosten trägt fast in allen Städten der Hilfsvercm, ei ist wirklich eine große Tat vom H. V , t>hne die Beihilfe w ürde