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Herzl-Bund-Blätter · 1917-07-01 · 36 (Juli 1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
36 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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459 aus den Büchern und «kr Presse. Vorläufig weniger das Materielle (Wirtschaftliche) als das Formale, d. h. die ganze seelische Struktur und Psychologie, ich sehe Juden im jüdischen Leben, frei und unbefangen ihrer Natur nach leben. Ich werde mich hüten, heute schon Urteile zu fällen. Aber ich staune mehr und mehr, wie Leute, die weniger gründlich sehen nls ich, in kurzer Zeit so haarsträubende Verdammungtsurteile fällen konnten. Was das allgemeine sittliche Niveau betrifft, das sich meist im Erwerbsleben dokumentiert, so kann man das nur dort verurteilen, wo es niedriger ist als das Niveau der Umwelt. Aber dieses zu erreichen, würde den Juden hier beim schlechtesten Willen schwer fallen. Ich habe noch keine Untugend bei ihnen gefunden, die nicht die Anderen im größeren Malte besaßen. Man traut sich nicht gern in einen jüdischen Laden, gewiß, aber wenn man erst in einem pomischen war, läuft man sofort wieder zum jüdischen zurück. Sie haben ihre besondere Berechnungsweise, aber sie ist nicht teurer und sie ist weniger animos als die der Anderen. Schön möchten wir ausschauen, wenn wir sie nicht hätten. Und was alles Andere betrifft, so haben sie hier Aktivposten, die enorm sind: die Intelligenz, keine Analphabeten, und den Zug ins Große, Wenn hier das Rüstzeug de*, modernen Wissens Eingang findet, wird es eine großartige Entwickelung geben. Mehr und mehr sehe ich ein, daß die Schule das Fundament der ganzen Arbeit ist. Von allem unbebauten Boden im Osten ist hier der fruchtbarste, er würde tropenhaftc Früchte bringen, denn es herrscht eine unvergleichliche Treibhausluft. Nach allem, was ich noch in Berlin über die Sittenlosigkeit der jüdischen Mädchen hörte, habe ich auch hierin angenehme Enttäuschungen erlebt. Es gibt hier jüdische Institution, gewiß, aber wo kein Schatten ist, ist kein Licht, der jüdische Organismus' wäre anormal, wenn ihm diese fehlen würde, und ich finde sogar etwas Gesundes darin, nicht in der Institution natürlich, sondern in der Tatsache, daß das Judentum eine solche besitzt. Im übrigen nber sind die Mädchen, die ich kennen lernte, so wie ich sie von jeher in Erinnerung hatte: an Intelligenz, Arbeitsintensität und Ernsthaftigkeit der Lebensauffassung den unseren weit überlegen. Herzlich grüßend Heinrich M a r g u I i e s. Berlin

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