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Herzl-Bund-Blätter · 1917-07-01 · 36 (Juli 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
36 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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457 Die Müdchen unseres Kreises sollen einfach und natürlich sein und innere Lebensfreude mit dem Streben nach Klarheit zu harmonischer Weiblichkeit in sich vereinigen. Helfen wir ihnen ihre Seele und ihren Körper von den Fesseln, zu befreien, in die eine unnatürliche Zeit sie verstrickt hat. Schaffen wir um uns eine Atmosphäre der Reinheit. Veredeln wir alles Körperliche durch den Geist; verankern wir alles Geistige in dem Urgründe gesunder Körperlichkeit. (Unser Judentum erstrebt die Einheit von Körper und Oeist.) Nehmen wir allem Kleinen in uns das Daseinsrecht. Nur was gut und stark ist, soll sich durchsetzen können. „Es gibt nur eine Süml<. das ist die wider die Natur." (Conrad Ferdinand Meyer.) Wir wollen den Mädchen Achtung und Liebe entgegenbringen; denn sie sind die künftigen Mütter unseres Volkes. Wir hoffen aus ihrer Mitte uns die Lebensgefährtin zu erringen und mit ihr ververcinigt wollen wir weiter arbeiten an dem Werke unseres Volkes, dem Vorwärtsschreiten der Menschheit. Wir haben unser Ich herausgehoben aus der Gcschlechterkcttc unseres Volkes und es übermäßig groll und wichtig vor uns hingestellt. Nun mag es als ein winziges Atom wieder zurücksinken in die Viclgcstaltigkeit des Alls, und gleich Fisch und Vogel, Wind und Wolke mitschaffen am Bau der Welt. Doch unserer Weg muH ein anderer sein. Was in der Natur mit der Folgerichtigkeit alles natürlichen Geschehens unbewußt sich vollzieht, muß unser Ich mit bewußtem Wollen vollbringen. Mit seinein körperlichen und geistigen Sein in seiner Naturanlage wurzelnd, mit beiden Füßen fest auf dieser Erde stehend, muß es in seinen Werken hinauswachsen über die Grenzen seiner Kraft. Wir tragen in uns die Mission, die Welt durch unser werktätiges Leben empor zu entwickeln, sie durch unser Tun an Lebensfreude zu bereichern. Wir snd diie ewigjungen Schaffenden, die durch ihre Arbeit die Welt verändern, sie unablässig neu formen. Aus den unbewußten Tiefen unseres Wesens wollen wir in unaufhörlichem Ringen Stücke losreißen, Werte zutage fördern, denen wir einen Teil unserer Seele mitgeben, geben, weil wir es müssen. Unser Weg wird immer ein schwerer sein, aber er wird uns zu immer neuen Höhen führen. Eine jede Erkenntnis, die wir uns erkämpft haben, nickt das Ziel unseres Lebens weiter hinaus. Wir werden unser Wollen an die Sterne knüpfen. Wir werden unser Können zwingen, unserem Wollen zu folgen. Wir werden schaffen, solange wir das Streben in uns haben. Wir werden streben, solange wir leben. Israel.

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