Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 36 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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455 lusctzcu. Auch dort wullcn wir Lehre und Leben vereinigen. Unser Wullen kample gegen die Stumpfheit des Althergebrachten, gegen die Gleichgültigkeit der Masse. Wir wissen wohl, daß die anderen nur immer den Erfolg weilen konneu, nie unser Wollen und unser Bemühen« Unser Glaub« an den endgültigen Sieg des Wahren wird uns Stets von neuem beginnen lassen. Wir wollen aus allem lernen. Wir vergeben uns nichts; denn wir wollen keine unserer Handlungen vergessen. Wir kennen nur die 'Reut des Besserm-achehs in der Zukunft. Uns muß Freud und Leid zum ülück gereichen. Goethes Wort: „Was ich nieht erlernt habe, habe ich mh erwandert', bleibt für uns so wahr wie am Anfang unserer Fahrt im» Leben. Wenn wir nicht sc glücklich sein können immer in der Natur zu weilen, so wollen wir el<>cii immer wieder zu ihr zurückkehren, aus ihrem unbedingten Wesen die Kräfte holen, die wir zu unserem wahrhaften Leben nötig haben. Der Gott des Alls sei zu jeder Stunde in uns und um, uns. Die Natur gebe uns Freude aus Kraft und Schönheit. Das i>t auch die Freude an unserem eigenen Körper, um Rhythmus ekr Bewegung, aun Spiel der Muskeln. Alle Kultur fängt mit dci Körperkultur an. Sie lehn uns Natürlichkeit in ollen Dingen. Kunst und Kunstgewerbe greifen mitbestimmend in unsere Entwicklung ein. Die Kunst darl uns kein Feiertagsgenuß mehr sein. Mit zur Einheit unseres Ichs verschmelzend, tritt sie umgeformt und veredelnd in den Kreis aller unserer Handlungen, immei wieder müssen w ir diese prüfen und uns die I tage vorlegen: Tun wir dieses, weit es unserer Wahrhaftigkeit entspricht. Weil unsere innere Stimme uns dazu zwingt, oder leitet uns die Rücksicht am die Meinung anderer? Wehren wir uns gegen ehe öffentliche Meinung und gegen alle kon\i utioiiclic Einflüsse. Wir sich in allen Entschlüssen neu bleibt, wird stets tlic Linie seines Weges, die ihn vorwärts führt, innehaben, wahrend der andere schwankend unel unsicher, ein Spiellull fretttdei Meinungen, auf einen Zickzackkurs gerät. W ir wollen frei werden von .ilk-n Fesseln der Konvention, von aller Kleinlichkeit der Seele. Wir verneinen die Klassifizierung der Menschen nach Rang und <j<klbeutel. Nichts Menschliches darf uns fremd sein, keine Aibcit daii uns erniedrigen. Das Große unu Kleine des Lebens, Lust und Schmer/, sollen uns so förderlich sein wie Sonne und Regen den Pflanzen. Wir verabscheuen den Kompromiß und wissen, dar» wir uns nur dem härtesten Zwange beugen werden. Immer Wiedtr wollen wir die Idee gegen die Wirklichkeit setzen. W u Wissen, dali das Oute und Natürliche sieh Bahn brechen muH und dali alle Stürme ehe Liehe nur starkei machen können, l ud wir hoffen, uns so einen natürlichen Adel zu erringen.