Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 36 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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454 Ein Einwurf. Ist das, was liier gepredigt wird, nicht Individualismus,- nein Egoismus, den wir durch unsere Auffassung tili Zionisten (Amhängcr sozialer Volksgemeinschaft) längst abgetütet zu haben glaubten? Nein. Immer wird nur das ßesserwerden des Einzelnen den Gesamtwert eines Volkes erhöhen. Nur die Arbeit eines jeden an sich selbst wird ihn besser machen. Wenn wir unser Ich bereichern, so vennehren wir unser Kapital. Die Ausstrahlungen unseres S. ins (unser Tun und Denken) sind die Zinsen dieses Kapitals, die denen, die um uns sind, zugute kommen. Je größer das Kapital ist, um so größer sind die Zinsen. Wer nur für andere denkt und tut, verschleudert sein Kapital. Der ist am ärmsten, der anderen nichts von sich geben kann. Dieser unser Egoismus CJ) ist so beschaffen, daß er sich erst dann zufrieden gibt, wenn er sich in der Arbeit für andere beweisen kann. Wie dürften w ir so klein sein nur an uns zni denken, oder fühlen wir uns nicht stark genug anderen helfen zu können? Lehen, kben! Schönheit und Leben. Das ist das Recht der Jugend. Vita somnium breve. Streben zu leben. Wer aber beharret bis an dal Ende, der wird selig. (Matth) .Wann sein, Mensch werden wollen. Ein neuer -Zeitabschnitt hebt für uns an. Wenn wir auch Weitergehen wollen auf unseren» Wege, so müssen wir doch Umschau halten, sichten und richten. Das Fundament unseres Seins muß aus den besten und stärksten Steinen erbaut werden. Von manchem, das uns Wahrheit war, werden wir uns trennen müssen. Es ist geblieben, was es war, aber unseren bewußteren Augen erscheint es jetzt als halbe Wahrheit, als Illusion; und wenn wir weiter kommen wollen, dürfen wir uns mit ihr nicht beschweren. Unsere Prinzipien müssen wir auch zurücklassen. Wir bedürfen ihrer nicht mehr. Sie waren uns treue Diener, die uns vor Irrwegen behüteten. Wir werden ihnen stets dankbar bleiben. Wollten wir sie weiter auf unseren Weg mitnehmen, so würden sie unsere Augen zwingen in bestimmten Bahnen zu blicken und uns den Blick auf das (Janze verwehren. Wir müssen unsere Kräfte zusammenfassen. Wir müssen unseren Lebensberuf suchen und finden. Es geht nicht an, daß wir in unserem Beruf, als einem Mittel zum Zweck, die Arbeitssklaven sind und uns erst in der < iemeinschaft der Gleichgesinnten als die Freien und Frohen fühlen. Unsere Erwerbstätigkeit muß uns Gelegenheit geben unsere sozialen Theorien in die l^raxis um-