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Herzl-Bund-Blätter · 1917-07-01 · 36 (Juli 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
36 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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45^ iheseitigt sein, alle Probleme gelost werden. Ganz klein fühlten wir uns, da wir die Begrenztheit unseres Horizontes empfanden. Wir schämten uns unserer großen Reden. Wir mußten von vom anfangen und lernen. Jüdische Geschichte, Volkswirtschaft und Aieles andere. Die Welt, von der wir uns abgeschlossen hatten, nickte uns wieder näher. Die Gegner waren auch Menschen. Neue Fragen und Zweifel tauchten auf. Waren wir auch ehrlich in unserem Wollen, wahrhaftig in unserem Tun? Keiner, der dem anderen helfen konnte. Ein jeder mußte mit sich selbst fertig werden. (Weh'dem, der in diesen Zeiten „drum hemm und nicht drüben weg" kommt. Er weicht dem Kampf aus, der ihm den Sieg bringt, er betrügt sich selbst; und er begnügt sich mit Schlacken, mo er Gold ernten könnte.) Als Frucht dieser bangen Stunden des Kämpfens und Zwcifelns wurden uns neue "Erkenntnisse. Vieles, das nichtig war, fiel von uns ab. Do waren viele Stunden einsamen Grübelns, aber auch viele frohe, da wir zum Freunde von Unterem Hoffen und Wünschen erzählen konnten. I>ie Eine, die uns in allem hätte helfen können, fanden wir damals nicht und da wir an so vielen Jungen sahen, wie sie im Umgang mit Mädchen verflachten oder zu Tieren wurden, suchten wir sie vtuch uiicht. Wir suchten sie nicht mit unseren Sinnen. Aber wer konnte hindern, daß in stillen Stunden doch die Sehnsucht über uns kam. Langsam gingen wir unseren Weg, und zuzeiten war es auch nur ein Sichtreibcnlassen. Die Freude der Jugend an der Natur brachte Stunden reinsten Genusses. Wir sahen, Natur und Menfcthenkunst warten nur auf uns, um uns zu erfreuen, unser Sein ZU bereichern. Wenn wir nur den Schlüssel zum Zaubcrlande Kunst finden könnten? Bücher oder Vorlesungen sollten helfen. Der Wege zum Verständnis waren viele, doch arbeiten und lernen verlangte ein jeder, und den Respekt des Kleinen vor dem Großen, die Ehrfurcht des Empfindenden vor dem Schaffenden. Einige glaubten, daß Wissen in Menge das rechte sei und daß es genüge, immer ein Urteil fällen zu können, ja daß man das müsse. Andere übernahmen dSe Erkenntnisse großer Männer als ihr gev Miges Eigentum. (Wie sie glaubten mit gutem Recht; denn sie hatten sie begrifflich erfallt.) Eine große Mahnung steht am Wege: Bleib dir treu! Was wir unserem Ich einverleiben wollen, muß sich in uns durchgekämpft haben, muß Fleisch von unserem Fleische geworden sein.*) *) Man darf es mir nicht verargen, daß ich -•> viele) von dem hur Gesagten, das ich anderen verdanke, als mein eigen ausgehe. Die Ansichten der Grollen unserer Zeit liegen in der Luft, die wir atmen, wfe in der Sommerszeit Myriaden von Klutensamen durch die Lüfte fliegen, und die Pflanzen, die bereit sind, befruchten und eine neue Ernte verheißen, aller Welt zum Segen. (Wieviel verdanke ich Goethe und Ibsen und Maeterlinck. Was hat mir alle» die Bibel gegeben.)

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