Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 36 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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452 leitet. Sie gaben uns, wenn auch nur keimhaft, die Flügel für unseren Flug. Fliegen mußten wir selbst. Draußen wartete das Leben. Noch waren wir verwirrt; wir konnten noch nicht sehen. Wer hatte ältere Freunde, die ihm Führer waren? Ich fand keine. Nur ferne, die aus Büchern zu mir sprachen. Wilhelm Bölsche meinen Dank. Langsam, langsam unter Mühen und Zweifeln stieg eine neue Welt vor uns auf. Wir selbst hatten sie uns erobert. Erste Siegerfreude empfanden wir da. Zionismiis. Ein neuer Schein, der auf unseren Weg fiel. Kampf auch gegen dieses Neue, Gespaltensein, üegen seine Freunde waren Wir der Gegner, gegen seine Gegner der Freund Bis es von uns Besitz nahm. Die Helden des Nibelungenliedes und der nordischen Gesänge bildeten sich in uns um, wurden uns zu jüdischen Idealgestalten. So wollten wir werden! Die Juden sollten wieder ein Herrenvolk werden. Ein großes Ziel und eine hohe Aufgabe, der wir uns geweiht harten, und der wir würdig werden wollten. Wir turnten und wanderten, um einen starken und elastischen Korper zu bekommen. Für uns gab es keine Alkoholfrage und kein sexuelles Problem. Unsere Aufgabe verlangte von uns, daß wir lernten uns zu beherrschen. Wohl kam auch zu uns die Kunde von einer Lehre, die sagte, daß wahre Jugendlichkeit verlange Minen Instinkten zu leben. Wir mußten diese Lehre ablehnen. Wie konnte der das rechte tun, der seine Begierden und Wünsche ungehemmt gewähren ließ? Die weite Welt mit ihren mannii;- fachen, vielfach verschlungenen Pfaden bekam für uns ein anderes Aussehen. Wohl schien auch «ins die Sonne, aber sie zeigte uns nur einen engen und beschwerlichen Weg, den wir gehen mußten, wenn wir unser Ziel erreichen wollten. Wir waren Zeloten, Eiferer für die Lehre, und wir sahen mit Verachtung auf die Beladenen, die im Schatten wandelten. Aeltere Gleichgesinnte Wurden uns Vorbild und Ansporn. Das war die Zeit, da wir ein Doppelleben führten. Im Beruf waren wir weniger interessiert, fühlten wir uns als Sklaven. Unter uns waren wir die Freien und Frohen. Kampf gegen alle, die nicht für uns waren, wurde die Parole. Auch im eigenen Lager ging man zu langsam vor. Man war zu weich, die Alten zu bedachts;im. Jugend ist brutal, kennt keine Rücksicht. Doch wir erreichten etwas. Tag und Nacht arbeiteten wir damals und merkten es an vielem, daß es vorwärts ging. Bis wir in der Arbeit für die ^Gemeinschaft die Arbeit an uns vernachlässigten. Gewaltsam drohend stieg da vor ums die Mahnung auf: Lerne, du weißt nichts, du bist zurückgeblieben! Her/1- Jtidcnstaat nahm uns gefangen. Wie groß war die Welt, wie viel mußte man wissen, um bessern ai können. Alles, was nur grüß, gut und schon war, sollte in diesem neuen Staate dem jüdischen Volke dienstbar gemacht werden. Alles Elend sollte dort