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Herzl-Bund-Blätter · 1917-07-01 · 36 (Juli 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
36 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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450 er neue Formen schaffen, um sich irgendwie zu behaupten und Sieger zu bleiben. Um ein Beispiel zu geben: Wir lachen heute über die all/u Aengstlichen, die nach Erschaffung des Maschincnbetriebes, der an Stelle des Handwerks trat das Kunstgewerbe vor dem Untergang sahen. „Wenn der Handwerker nicht mehr das persönliche, künstlerische Interesse an seinem Werk hat, kann es keine Werte mehr aufweisen." Eine Weile schienen diese Leute nicht Unrecht ZU haben. Zu einem Teil verkitschte das Kunstgewerbe. Bis neue, große Künstler erstanden, die aus dem Geiste einer neuen Zeit heraus, unter Benutzung aller technischen Hilfsmittel neue, starke Formen bildeten. Ein A. E. O. Bau ttehren's, ein Zimmer Bruno Paul's kann gleich starke, künstlerische Eindrücke erwecken wie etwa das heute wie Bron/e wirkende uralte Chorgestühl im Kölner Dom. Aber wir sind nicht die großen Gestalten, die den neuen (isisl der Zeit in neue Formen bannen können. Wie können wir uns davor bewahren, hemmungslos im großen Strome des GcscIkIhiis zu treiben, ohne uns zu verlieren? „Aber die Seele"! Das ist die Schlußfolgerung des Rathenau'schen Buches, sein letzter Imperativ. Sie muß der starke Gegenpol sein gegen das Aculiere im Leben des Menschen des iüten Jahrhunderts. Sie zu pflegen und zu entwickeln ist die Aufgabe des Einzelnen in all' dem < iewirr unserer Tage. Vor dem Krieg war wohl in vielen von uns die Sehnsucht machtig, Zeit zu finden im rastlosen Getriebe nes Tages, einmal zu sich zu kommen, in sich hineinschauen zu können und über so viele Dinge zur Klarheit zu kommen. Anders, als wir uns geträumt hatten, wurde vielen von uns der Wunsch erfüllt. Wer hat nicht lange Stunden in sternklarer Nacht Mit l*osten gestanden?! Wenn die Leuchtkugeln aufblitzten, herunterfielen wie Sterbende Vögel und einzelne unregelmäßige Gewehrschüsse gleichsam zum Symbol wurden, daß der Rythmus der Vernunft aus den lugen gegangen ist! (Wer die endlosen Nächte am Telephon, im Unterstand beim kärglichen Lichtstumpf, da man ein Buch vor sich liegen hatte und nicht lesen konnte und Gedanken kamen, die man nicht durchdenken konnte! Da saßen wir und grübelten und Ideen und Hoffnungen jagten durch unser Hirn, ohne zu Klarheiten w erden zu können. War das der Frieden, den wir ersehnt hatten? Nein! Zur Ruhe fehlte uns — die Unruhe, das RattlOSC der Arbeit. „Im Rauschen der Zeit, im Rollen der Begebenheit", um mit Faust zu sprechen, da ist unser Platz im Leben. Die Stunden für unser Persönlichstes, für unsere Seele sind uns abgeteilt und das ist gut s<». So erhalten sie ihre eigentliche Bedeutung, werden erst so zu den Feierstunden, wie wir sie brauchen. Man wird uns, wenn wir uns im Wirtschaftsleben unfern Platz erobern und den schnellsten Weg zum Erfolg suchen wollen,

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