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Herzl-Bund-Blätter · 1917-07-01 · 36 (Juli 1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
36 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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448 Literat und Kaufmann. „Neulich habe ich zwei Stunden in der Hölle verbracht", schreibt Max Urod in einem Aufsatz: „Zwei Weiten" im Heft 1—2 des 2. Jahrgang des „Juden". Er hatte ein kurzes wissenschaftliches Buch über das System des Amerikaners Taylor gelesen. Die (inindgedanken dieses Systems werdet Ihr alle kennen. Es bezweckt Arbeitseinteilung bis ins Aeußerste, beschrankt die Tätigkeit der einzelnen auf einige wenige Handgriffe und IIB! sie ihm durch die dauernde Uebung aufs Schnellste und Vollkommenste ausführen. Durch das Ineinandergreifen aller dieser Menschen und Handgriffe in einem großen Betrieb wird eine enorme Schnelligkeit und Korrektheit in der Arbeit des Ganzen erreicht und somit die kapitalistische Leitung des Betriebes gesteigert. Und der ein/eine, das Radchen, in dem großen, aufs feinste abgestimmten Uhrwerk? „Der entseelte Mensch sitzt im Rahmen und arbeitet endlich maschinenmäßig", schreibt Brod bitter * />■ *D * ..... -------- Ich weiß nicht, ob Max Brod einmal Gelegenheit hatte in einen nicht tayloristisch organisierten iudustriecllen Großbetrieb hineinzusehen. Wo besteht da die Grenze zwischen Taylorismus, und Nicht taylorismus? Was ist heute an der Arbeit des Kohlenarbeiters, an der des Mannes an der Drehbank individuell noch nicht mechanisiert? IXr Bankbeamte, der die (Coupons der Kundschaft schneidet, der Büromensch, dem der Chef Briefe diktiert, der junge Mann in der Konfektion, der Stoffe sortiert, was geben die noch eigenes? Sie können korrekt arbeiten und inkorrekt, gewandt und weniger gewandt. Aber was gestalten sie noch mit ihrem eigenen Ich? Brod ist ein Dichter. „Wer es noch nicht wußte, lese seinen „Tvcbo Brahe". Und er ist ein ganz warm empfindender Mensch und Jude. Wir wissen von seiner großzügigen Arbeit, die er an unsern galizischen Brüdern geleistet hat. Aber der Dichter, und das ist sein Recht, sieht alles im Extrem. Ihm ist der Mensch zunächst die Seele. So muß er sieb immer wieder an den Zeichen unserer Zeit stoßen, in der der rücksichtslose Verstand das herrschende Prinzip ist. „Die Menschheit wird zwischen ihren beiden Polen zu wählen haben: dem Erfolg und dem Geist". So sieht die Erkenntnis des Dichters aus. Er kennt keine Kompromisse. Wir stehen hier vor einem Grundproblcm. Ich kenne junge Menschen, die an ihm gescheitert sind und andere, die schon auf dem Wege dazu sind. Da tut zunächst die Erkenntnis not, daß die Entwicklung, auf deren Weg auch Taylors System liegt (es

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