Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 36 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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447 selben Augenblick konnte keine Vereinigung mehr kommen, Vergeßt nicht, daß ca. 05 der gesamten östlichen Judcnhcit heilte jüdisch als Muttersprache sprechen, daß es heute die Volkssprache ist, daß w ir /u unserem Volke nur dann den Rückweg finden können, wenn wir seine Sprache sprechen. Bildet Euch nicht ein, daß IIir jüdisch versteht, wenn Ihr etwas hebräisch könnt. Ihr werdet dann zur Noi etwas lesen können Werdet Ihr aber mit dem Manne aus dem Volke in seiner Sprache sprechen können, ohne daß er das GefAhl hat, mit einem Fremden zu sprechen? Kennt ein. von Euch die alltäglichen Sorgen, Anfeindungen, Bemühungen d-. Volkes aus ursprünglichen Quellen? Kennt Ihr seine Lieder, 1 >icl und Schriftsteller? Wer von Euch hat Pcrcz, Bialik, Asch, Schülern Aleicheai u\\. im Original gelesen? Hüde! Ihr Euch doch nicht ein, ganze Jud< l zu sein, solange Ihr sehr schon als Bürger (Philister) in Deutschland lebt! Glaubt Ihr denn, dafi man durch |2maligcn hebräischen Unterriehl in der Woche wieder so iraii/ und gar Jude werden kann oder es sogar schon heute ist? Könnt Ihr Tuch irgend einen Menschen vorstellen, der sich zur intensiven Arbeit für sein Volk entschlossen hat oder wenigstens stets davon spricht und nicht einmal die lebendige Sprache seines Volkes spricht oder wenigstens lernt. Ich für meinen Teil glaube, daß die-e Menschen nicht existieren. Hört einmal auf, wettere Phrasen in Eurem Munde ZU führen und geht der Quelle nach, wo Ihr die Möglichkeit habt, wieder Juden zu werden. Der Weg für uns geht über den Osten nach Palästina! Wenn er anders führe.i sollte, so weidet Ihr wohl L'roße Enttäuschungen erleben, wenn Ihr nach Palästina kommt und Ihr dann bemerkt, daß es nicht das Paradies ist, das Ihr Eudl erträumt habt und Ihr werdet, wie schon so viele, als wirtschaftlich untl seelisch gebrochene Menschen nach Europa zurückkehren, Die Möglichkeit, jüdisch zu lernen, ist heute grölk-r denn je. In einer Anzahl von großen Städten Deutschlands gibt es jüdiscite Arbeiter aus Polen und Rußland, die sich zu Gemeinschaften zu* zusammengeschlossen haben. Geht in diese Vereine hinein, laßt Euch nicht durch schmutzige Wäsche abschrecken, versucht, sie kennen zu lernen, ihre Sprache, ihre menschlichen und politischen Sorgen, und ich glaube, Euch versprechen zu können, das Ihr schneller luden werden könnt, als auf dem von Euch eingeschlagenen Wege. Und das ist doch unser Streben. Viele Wege führen nach Rom, warum sollen wir nicht den sichersten und kürzesten v.issucl»cn'J Leo Blumstein, Berlin.