Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 36 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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446 mehr dieses Hand, das uns mit unseren östlichen Brüdern verbindet, sondern versucht, eine Brücke lünübcrzuschlagcn, indem Ihi mal nicht an das, was Euch abstößt denkt und nicht mit dem Gefühl des Hclfcnwollcns zu ihnen kommt. Das, was Euch (ich meine hiermit auch den größten Teil der westlichen Xionisten) bei ihnen afct&ßt, ist der Mangel an Zivilisation, wohl gemerkt, an Zivilisation und nicht an Kultur. Oft, leider zu oft, ist auch von unserer Seite aus in der Oeffentlichkeit einstimmig mit den Antisemiten über das jüdische Proletariat dc>- Ostens gesprochen und geschrieben worden und kein deutscher Zionist ist dagegen aufgetreten. Wie hätte er .weh dagegen auftreten können, da er selbst die östliche Judenheit gamicht kennt? Wir, die wir eine ganz andere Erziehung genossen haben, sind mit einem großen Maß \on Eigendünkel an die Verurteilung und Beurteilung dieser Ostjuden gegangen. Mit einer überaus häßlichen I ewertung seiner europäischen Kultur warf man sich ihnen gegeniiber in die Brust, indem man ganz und gar die Bildung eines halbwegs gebildeten Menschen negierte. Der Vergleich, auf d r einen Seite einen Intellektuellen und auf der anderen Seite einen Ungebildeten, ist immer wieder gezogen worden und daher die^e Kauz schielt Beurteilung. Es lassen sieh überhaupt nur gleiche Werte miteinander vergleichen. Wenn wir heute einen ungebildeten deutschen Arl>citcr, der die (iemeindeschule besucht hat mit einem einfachen ostjüdischen Arbeiter vergleichen, der nur den Chedir besucht hat, und wir an Hand dieser den Wert oder Unwert des einen festzustellen versuchen, dann kann man von einer gerechten Beurteilung sprechen. Aber so, wie es immer wieder gemacht wurde, konnte man kein richtiges Urteil bekommen. Wir müßten also jetzt das gutzumachen versuchen, was vordem schlecht gemacht worden ist. — Eins kommt noch hinzu, die absolute Ablehnung der jüdischen Sprache. Wenn Ost- und Westjuden zusammen kamen, dam» lehnte der Westjude bestimmt die Anerkennung des Jüdischen . Is Sprache ab und bcharrtc auf seinen Standpunkt, daß hebräisch die einzige jüdische Sprache sei, während doch jüdisch ..Jargon sei*' mul uie-ht gesprochen werden dürfte. Ich kenne selbst Solche /ionisten, die niemals ein jüdisches Wort sprechen oder lesen werden, einfach aus Abscheu. Dieser Chauvinismus hat sicbxr da* 1 nglück zur Folge, unter dem wir heute schwer zu tragen haben. Ost und West sind zwei getrennte Begriffe, wo jeder Uebernang vernichtet worden ist. An diesem Umstand hat m. E. der devtsclu Zionismus einzig und allein Schuld. Leider nur allzu sdtca ist bei uns die Stimme laut geworden, wir müssen jüdisch knien. Hatten wir diese vereinzelten Stimmen nicht überhört, dann wäre du Einigung leichter gefallen. Die Entscheidung in der Sprachen frage w ar zu (iuusten des Hebräischen gefallen und mit dem-