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Herzl-Bund-Blätter · 1917-07-01 · 36 (Juli 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
36 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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436 worben hatten! Ja, wenn das der Fall gewesen wäre. Aber leider waren wir noch nicht so weit. Unser Nationalismus war weder rein noch ungetrübt. Er war ein Gebilde halbverstandener, halbdurchdachter Theorien. Aber rein und ungetrübt, eine Selbstverständlichkeit war unser Nationalismus nicht. Wie konnte er es aber auch sein. Das war ja viel zu einfach, viel zu bequem, viel zu genügsam. Das Wort sich begnügen hatte immer einen schlechten unreinen Klang bei uns. Wir sollten uns begnügen mit einem selbstverständlichen Nationalismus, einem Nationalismus, der begründet ist auf der Tatsache der Existenz eines jüdischen Volkes, dem ich angehöre auf Grund meiner Abstammung, und dem ich verpflichtet bin durch sein Schicksal, das auch das meine ist und in Palästina seiner Erfüllung entgegengeht. Da steckt für uns kein Problem. Die dazu berufen sind, mögen philosophieren und diskutieren. Wir wollen und können unserem Volke nur dienen durch unser tägliches Leben, unsere tägliche Arbeit, durch che Selbstverständlichkeit unseres Nationalismus.*) Ein deutscher Kaufmann hat sein Unternehmen zu ansehnlicher Höhe gebracht. Das deutsche Volk ist stolz auf die Erfolge seines Fleißes und seiner Tüchtigkeit. Durch die Selbstverständlichkeit seines Deutschtums und Nationalismus wird seine Arbeit national und bleibt es, solange nicht Habgier oder Größenwahn sie zu nationalem Schaden werden läßt. Vielleicht erhelft dieses Beispiel mein Bemühen. Selbstverständlichkeit unseres Nationalismus, unseres Lebens, unserer Aufgaben sind die Grundpfeiler unserer Ruhe und Geschlossenheit. Bauen wir darauf, und die Gefahr der Verirrung und Zersplitterung Ist auf ein Kleines gesunken. Ein drittes Schlaglicht: Befreien wir uns von der Organisationshypnose, unter der wir alle stehen. Letzten Endes ist es wieder die K. J. V.-Verwandtschaft, die uns, wie alle zionistischen Vereine und Korporationen, zum Medium werden ließ Daß nicht zuletzt der K. J. V. den Druck jener Hypnose schwer empfunden hat, beweist mir die Erschütterung, die jene Forderung Hugo Bergmanns gerade dort verursacht haben soll. Den Ansprüchen der Organisation zu genügen, waren bisher die Faktoren, die unserer Arbeit die Richtung gaben. Alle Forderungen nach prak- *) Drei unserer ganz jungen Bundesbrüder besassen diesen selbstverständlichen Nationalismus. Aber sie steckten noch in dem Wust .dtrr Probleme und Theorien. Es gelang ihnen nicht, sich daraus zu befreien, und in der Enge wurden sie zweifelnd und wankend. Mir ist wohl bewußt, daß diese Worte einer Erläuterung bedürfen. Aber es (jIK mir schwer, sie naher zu umschreiben: „Wenn ihr s nicht fühlt, ihr werdet'* nicht ergründen".

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