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Herzl-Bund-Blätter · 1917-04-01 · 35 (Apri 1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
35 (Apri 1917)
Date
1917-04-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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410 ihre Arbeitszeit totzuschlagen. Und sie bestehlen sich doch nur selbst. Ihr Ziel und Streben ist: Kunst, Literatur. Arme Literaten! (Auch solche, die sich mit sozialen und anderen Fragen in dieser Art beschäftigen, kann man so nennen.) Wenn man aber seine Gemeinschaft erlebt hat, wenn man sich mit ihr körperhaft verwachsen fühlt, kann man dann nicht sein Wirken, und wenn es das geringste Handwerk ist, danach einstellen. Wie man seiner Gemeinschaft dient, ist gleich. Man muß nur fühlen, daß man wie ein Rad im Getriebe einer Maschine seine Arbeit leisten muß. um das Ganze vorwärts zu bringen. Hat man sich so eingestellt, dann wird man auch zu ganz anderem Genuß der Werke der Schaffenden kommen. Denn man geht nicht mehr als Flüchtling, als Bettler hin, um Brosamen unter ihrem Tisch zu suchen. Man hat ja das Bewußtsein dem gleichen Ziel zu dienen, nur auf anderem Wege. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, muß man nur den Mut zur Wahrhaftigkeit haben. Bernhard Kutzinski, Berlin. Jugend im Osten. Von den Jungen möchte ich einiges erzählen, so wie ich sie hier in Litauen sehe. Zunächst die jungen Männer und Knaben. Meine Lieblinge sind die Gymnasiasten, die Schüler des jüdischen Realgymnasiums. Herrgott, was sind da für gescheite, liebe Kerlchen darunter. Ich sprach mit einem christlichen Oberlehrer, einem Soldaten, der am Realgymnasium unterrichtet, und hörte von ihm nui Worte des Lobes über seine Klasse. Von 27 Jungen, so meinte er, seien 2 schwache Schüler. Alle anderen ständen über dem Durchschnitt, den er von deutschen höheren Schulen als Maßstab anzulegen gewohnt sei. Ein unsagbarer Eifer und viel Temperament steckt in den Jungen. Unterhält man sich mit ihnen, so vergißt man oft, daß man mit 12 und 13 jährigen Knaben spricht. In einem Alter, wo der deutsche Junge den Kopf noch voll von Jungenstreichen hat, wo ihm Murmeln, Indianergeschichten, Barlauf und Briefmarken weit wichtiger als alle Fragen der Umwelt sind, hat der junge Jude hier schon einen tiefen Ernst und einen Verblüffend guten Blick für seine Umgebung. Unterhalte Dich mit ihm über die ihn umgebenden Nationalitätenprobleme, lüber sein Verhältnis zu Russen, Idolen, Litauern, und Du wirst auf eine gute Dosis Menschenkenntnis, Beobachtungsgabe und Urteils-

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