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Herzl-Bund-Blätter · 1917-04-01 · 35 (Apri 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
35 (Apri 1917)
Date
1917-04-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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409 gebildet. Fern blieb das Dürftig« und notwendige des tierischen „nur Lebens". Diese Gedankenwelt kann man, indem man sie dem uraatür- Ikhen unverrückbaren Vorhandenen entgegen stellt, Kunst nennen. Diese Schöpfung des Menschengeistes wuchs, wurde mächtiger als ihr Meister, daß dieser seiner Gedanken Werk nicht mehr ertragen konnte. Das nur Geistige der Ideen schreckte ihn, wie ihn vorher das Fremde der Natur gequält hatte. Seine Sinne suchten nach Formen, nach Symbolen, in denen er die Ideen erfüllen konnte. Zwei große Wege gibt es da, und der Mensch kann nach seiner Art und Veranlagung wählen. Denn der Urtrieb der Menschen nun Leben ist verschieden. Der eine wird das Leben in sich tragen. Alles Geschehen um ihn wird er in sich aufnehmen und in seinem Innern wandeln, um es darm der Welt mit einem: „Wie kh es sehe" als Forderung seiner Ethik neu vorzulegen. Das ist der Schaffende in höherem Sinne. Er hat sein Lebenszentrum in skh. Der andere aber ist im Leben. Er trinkt skh nicht satt am Leben, um neue Formen zu bilden, neue Forderungen zu stellen, er ist einfach. Sein Lebenszentrum ist in seiner Gemeinschaft. Diese Verschiedenheit bedingt auch die Zweiheit der Wege, um der Idee zu dienen. Der schaffende Mensch wird, formend und bildend, die Idee der Menschheit zu erfüllen streben. Aber während er selbst noch sucht und ringt das Ziel zu erreichen, stellt er es durch seine Werke schon wkder eine Stufe höher. Sein Suchen und Finden wird auch immer ein Verlieren sein. Der Weg des anderen Menschen, er ist wohl der häufigere, ist anders. Dadurch das sein Lebenszentrum außerhalb seines Ichs in der Gemeinschaft liegt, daß er nicht losgelöst von dieser als Schaffender dk Idee, im eigenen Symbol geformt, erleben kann, muß er durch seine Gemeinschaft erkben. Uranfangs war der Mensch ein Einzelwesen. Alltagsnot und Gefahr erzogen ihn zur Gemeinschaft, und diese bildete sich aus den Ideen der Einzelnen ihre große Einheitsidec, die bunt und reich und stark ist. Der Mensch nun, dem in hohem Sinne zu schaffen versagt ist, soll sein Leben und Erleben auf dk Gemeinschaft und ihre Idee einstellen. Grund seines Daseins, seines Wirkens und Wolkns sei nkht satte Zufriedenheit und kalter Egoismus. Denn übersitlig wird er einmal dk Nutzlosigkeit dieses Lebens erkennen. Ist er dann noch jung genug, wird er Tlkhen aus seinem Kreis zu den Werken der anderen, der Schaffenden, dk er höher stehend glaubt und würdiger. Aber nkht Friede und Ruhe wird er finden, sondern nur Zwiespalt. Seine Natur ist auf dk Gemeinschaft angewiesen aus der ihn die Sucht ,,mehr sein zu wollen" heraus getrieben hat. Aber wie eine Seite ohne Resonanzboden, so ist er tonlos. Sein Beruf befriedigt ihn nkht mehr, er hungert nach anderer Speise. Und dks alles nur weil er die Gemeinschaft und ihr Wolkn vergessen. Vielen jungen Menschen geht es so. Sie verachten ihren Beruf und quälen sich,

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