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Herzl-Bund-Blätter · 1917-04-01 · 35 (Apri 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
35 (Apri 1917)
Date
1917-04-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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403 ja der Qetreidehandel konzentriert. Wie stark die Juden durch die Verhältnisse in der Textilbranche schon gelitten haben, ist bekannt. Das Zivildienstgesetz bedingt ferner eine Zusammenlegung von Betrieben, d. h. eine rapide Entwicklung der Konzentrationsbewegung, ein Ausschalten des Klein- und Mittelbetriebes zugunsten des Großbetriebes. Wir kennen eine solche Entwicklung vom Bankwesen her gut genug um zu wissen, daß dir Leidtragenden die Juden sind. Oanz allgemein kann man sagen, daß die von Deutschland nach dem Kriege notwendigerweise beizubehaltende Tendenz weiterer Verstaatlichung und Konzentrierung gerade in jene Richtung fällt, die schon seit geraumer Zeit (ich erinnere an die seinerzeitigen Diskussionen von Goslar und mir) einen wirtschaftlichen Niedergang der deutschen Juden ankündigt. Daß auf der anderen Seite viele Juden im Kriege große Gewinne erzielt haben, kann auf die Dauer nichts bedeuten: es war dies eine Vermögensbildung meist unter Aufgabe der vorher innegehabten wirtschaftlichen Position, also ein Liquidationsgewinn, der dem Individuum zugute kommt, die wirtschaftliche Position der Gesamtheit aber nicht stärkt, sondern schwächt. Das sind Umrisse der Zeit, der wir entgegengehen. Und sie ergeben, deutlich genug, die Lehren für unser Tun. Man wird diese Zeit nur überstehen können, wenn man auch die letzte versteckteste wirtschaftliche Kraft nutzbar macht. So wie heute im Sinne des Zivildienstgesetzes jeder zur Arbeit gezwungen, wie heute jedes Abfall- und Nebenprodukt neu erschlossen, neu verarbeitet wird, so wird in der kommenden Zeit jeder aus sich herauszuholen haben, was er nur vermag. Die im Grunde parasitische, weil nur auf der Grundlage einer bourgeoisen Gesamtheit mögliche Geistigkeits- und Kaffeehausatmospnäre wird nur noch eine vorsintflutliche Erscheinung bilden. Literatur und schwatzende Jünglinge, deren durstigen Idealismus man in bequemen Zeiten gern bewunderte und glaubte, wird man einsperren oder ins Museum stecken. Das Prinzip des kleinsten Kräftemaßes, d. h. das Prinzip, das äußerst mögliche an lealer Wirkung zu erzielen, wird das Leben des einzelnen wie der Gesamtheit beherrschen. Man wird manchmal vielleicht einschlafen mit der Erinnerung an die Zeit, da man viele Bücher las und darüber diskutieren konnte, aber man wird aufwachen mit dem Bewußtsein, daß es gilt, in harter roher Arbeit Werte zu schaffen, wirtschaftliche Werte, damit die gegenwärtige Generation überhaupt bestehen, die nächste vielleicht dann wieder etwas Luxus und Freiheit genießen kann. So wird man lernen, jenen höher zu schätzen, der sich im wirtschaftlichen Leben seine Position geschaffen, als jenen, der einen schlechten Roman geschrieben hat. Es gab eine Zeit, da der Handlungsgehilfe im Studenten ein höheres Wesen sah, da er seinen Ehrgeiz am besten dadurch zu befriedigen glaubte, daß er es in seinen Mußestunden

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