Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 35 (Apri 1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Der nächstliegende und wahrscheinlichste Versuch dürfte in dir Beibehaltung bezw. Neue'nführung von Rekhsmonopolen liegen. Mit einer Beibehaltung des Getreidemonopols rechnet man — insbesondere seit der Rede des Unterstaatssekretärs Michaelis — außerordentlich stark. Diesem werden andere Monopole folgen. Die Wirkung dieses Ausschaltens des freien Handels und Wettbewerbs ist natürlich eine weitere Verteuerung des Lebensunterhalts - ohne daß sie andererseits jemals so lukrativ werden kann, dnß sie sich bei der Steuerbemessung erleichternd fühlbar machen könnte. Wir haben also für die Zeit nach dem Kriege zu rechnen — erstens mit Steuermaßnahmen, denen man nur mit Aufbietung der letzten wirtschaftlichen Kräfte wird entsprechen können, und zweitens mit einer verteuerten Lebenshaltung, die jeden Luxus unterbindet. Es tritt noch eins hinzu: Die Gegensätze zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden schroffer sein als je. Beide haben ihre Organisationen im Kriege ausgebaut, und der verstärkten Solidarität der Arbeiter steht der durch die Konzentrationsbewegung bedingte enge Zusammenschluß der Arbeitgeber gegenüber. Dies trifft natürlich auf die anderen Länder in nicht geringerem Maße zu. Hier stehen allgemeine Kämpfe bevor, deren Tragweite wir noch nicht übersehen können, und wer weiß ob die Schilderung in Meyrinks „Das grüne Gesicht" übertrieben ist — wie sich nach dem Kriege in Holland Bürger aller Länder finden, die nur ein Bedürfnis haben: der unerträglichen Steuerlast in der Heimat und den alles ausnahmslos beherrschenden inneren Kämpfen zu entgehen. — In dieser allgemeinen Situation ergibt skh für uns Juden noch dadurch eine weitere Belastung, daß wir erstens infolge unseres sozialen und nationalen Gemeinsinncs ohnehin doppelt besteuert werden und für jüdische (nationale) Steuern jeder Art mehr als je werden aufzubringen haben, und zweitens weil unsere wirtschaftliche Stellung in Deutschland durch die geänderten Verhältnisse, vor allem durch Einführung von Monopolen stark geschwächt werden wird. Was den ersten Punkt betrifft: Das jüdische Problem hat sich durch den Krieg endlich in seiner wahren Gestalt gezeigt. Es ist ein Masscnproblcm, das Milliarden erfordert: für Industrialisierung der pauperisierten Juden, Regelung der Auswanderung, Kolonisation in Palästina — ganz abgesehen von den reinen Kriegskchäden im Osten, der Notwendigkeit, unsere zerstörten Provinzen wieder aufzubauen. Das jüdische Volk wird von seinen Bekennern Steuern verlangen, die in ähnlichem, ja in rascherem Verhältnis wachsen werden als die allgemeinen Steuern. Betreffs des zweiten Punktes denke kh zunächst an das OctKidemonopol, dessen Einführung 80—100000 Menschen brotlos machen würde, natürlich meistens Juden, in deren Händen sich