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Herzl-Bund-Blätter · 1917-04-01 · 35 (Apri 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
35 (Apri 1917)
Date
1917-04-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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401 Wenn der Krieg in diesem Frühsommer zu Ende geht, werden die Kriegskosten des Deutschen Reiches eine Höhe erreicht haben, daß man zur Tilgung der Schulden-Zinsen allein jährlich etwa sechs Milliarden wird aufbringen müssen. Das ist ein runder Betrag von 100 Mark pro Kopf der Bevölkerung, den diese abgeben muß neben den sonstigen Steuern zur Deckung der regulären weiteren Rüstungskosten, der Erneuerung aller Verlust»', der Wiederaufbaukosten von Ostpreußen und Elsaß-Lothringen, den Pensionen der Invaliden, Witwen und Waisen, den Ansiedlungskosten für Kriegsbeschädigte etc. Die Preise der unentbehrlichsten Bedarfsgegenstände und Nahrungsmittel werden zwar ein wenig sinken, aber die Wareneinfuhr, der nachhaltigste Preisrcgulator, wird aus Gründen der Valuta und des fehlenden Schiffsraumes auf längere Zeit so beschränkt bleiben, daß mit einer Rückkehr des früheren Preisniveaus nicht gerechnet werden kann. Die Frage, ob Deutschland überhaupt in der Lage sein wird, solche Riesensummen aufzubringen, liegt nahe genug. Oeorg Bernhard, der zu den optimistischen Beurteilern der Finanzfrage gehört, hat berechnet, daß wir mindestens 45 Milliarden Kriegsentschädigung erhalten müssen, um die Zinsen der dann noch verbleibenden Kriegskosten bis zu diesem Frühjahr (ca. 75- 80 Milliarden) aufbringen zu können. Das wäre schon die Maximalleistung, und jeder weitere Kriegsmonat bedingt die Notwendigkeit erhöhter Kriegsentschädigung oder SchadtoshaKung auf anderem Wege. Denn es gibt neben der Kriegsentschädigung noch andere Möglichkeiten, die Staatsschulden-Zinsentilgung zu gewährleisten. Das einfachste wäre die zwangsweise Herabsetzung des Schuldbetrages, d. h. eine Konvertierung der Kriegsanleihe, so etwa, daß überall der Betrag 1000 durch den nunmehr gültigen von 800 überdruckt werden würde, Oder aber man läßt den Nennbetrag der Stücke bestehen und setzt lediglich den Zinsbetrag (von 5<>/o auf etwa 3%) herab. Beides aber sind Wege, die der Staat nur dann beschreiten kann und wird, wenn ihm absolut keine anderen Möglichkeiten mehr offen stehen: beides wäre die letzte Flucht vor dem Staatsbankrott. Und daher kann man im Deutschen Reich noch nicht mit diesen Ereignissen als wahrscheinlich bevorstehend rechnen. Man wird also /u anderen Mitteln greifen müssen. Stresentnnn hat eine teilweise Vermögenskonfiskation (in Höhe von >/i) vorgeschlagen, und dieser Oedanke würde vermutlich ebenso populär werden, wie es der Oedanke der Kriegssteuer geworden ist. In der Tat hat er schon viele Anhänger gefunden, von denen allerdings noch keiner zu zeigen versucht hat, wie er sich eine solche Konfiskation beim Immobiliar vermögen, z. B. dem ländlichen Grundbesitz, denkt.

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