Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 35 (Apri 1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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390 Gesinnungsgenossen unseren jungen Arbeitsfreudigen leider keine praktischen Arbeitsmöglichkeiten gewähren kann. — Robert Weltsch vergißt nämlich in seinem Vergleich mit dem in Deutschland in Kraft getretenen Vaterländischen Hilfsdienst etwas sehr Wesentliches, worauf ich hier aufmerksam machen möchte. Jeder deutsche Mann nämlich, den heute das Vaterland zur Erfüllung seiner Dienstpflicht ruft und damit aus seinem bisherigen Leben und Beruf herausreißt, wird dafür vom Staate in angemessener Weise entschädigt oder völlig — im Heere ja durchweg — unterhalten. Wer aber wird für die jungen Dienstkräfte sorgen, die sich der zionistischen Organisation zur Verfügung stellen? Vom Ideal und der befriedigenden, aber nichts einbringenden Tätigkeit allein werden wohl nur sehr wenige von uns leben können! Sollte jedoch der Vorschlag von Weltsch nur so gemeint sein, daß die jeweilig ihr zionistisches Arbeitsjahr Abdienenden sich dem ihnen zugewiesenen Arbeitszweig nur außerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit widmen sollen — diese Annahme rechtfertigt Weltsch allerdings keineswegs in seinen Ausführungen — so würden sich Verhältnisse ergeben, die sich mit den zu Beginn dieser Zeilen geschilderten Gegensätzen decken; es würde sich sehr schnell zeigen, daß wir Berufsarbeit und unser ganzes Innere erfüllende ideale Tätigkeit nicht vereinen können, ohne daß das eine sehr erheblich durch das andere leidet. Weder in dem einen, noch in dem anderen Falle ist also die Forderung von Weltsch praktisch zu verwerten. Da nun aber Notwendigkeit und Wille zu zionistischer Arbeit in den weitesten Kreisen unserer Jugend besteht, möchte ich hier auf die meiner Ansicht nach einzige Möglichkeit hinweisen, die eine regere Anteilnahme an unserer Arbeit, unbeschadet der beruflichen Tätigkeit des Einzelnen, seiner Pflichten gegenüber dem Elternhaus oder seiner Rücksichtnahme auf persönliche Neigungen künstlerischer oder irgendweich' anderer Natur gestattet. Ich gehe von der Tatsache aus, daß eine Arbeit für eine große Sache nur dann \on wirklichem Erfolg gekrönt werden kann, wenn man für sie mit völliger Hingabc wirkt, die ihr aber kein Mensch gewähren kann, der in erster Linie sein Denken und Schaffen und flicht zulct/t seine Zeit seinem Berufe zuwenden muß. Man verstehe mich nicht falsch, es wird gewiß Niemandes beruflichem Schaffen hinderlich sein, am Abend nach getaner Arbeit irgendwelche Vereinsarbeit zu leisten, aber es ist ganz etwas anderes, den ganzen lag übe-- in erzwungenem Pflichtbewußtsein der Berufsarbeit zu genügen, während Leib und Seele gar nicht bei der Sache sind und man sich nach der zionistischen Tätigkeit sehnt, für die dann natürlich nur die Abendstunden und, ach, allzu oft nur die der Nacht übrig bleiben. Schon vom gesundheitlichen Standpunkt aus ist eine derartige Ueberarbeitung, zumal bei in der Entwicklung