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Herzl-Bund-Blätter · 1917-04-01 · 35 (Apri 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
35 (Apri 1917)
Date
1917-04-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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397 Was unterscheidet das jüdische Volk von den anderen Völkern? Es ist das, was in den Segenssprüchen enthalten ist mit den Worten: „aschcr bocharbonu betnizwaussow", der uns ausgewählt durch seine TMlichtgebote. Nicht auf deren Ausübung und Handhabung will ich hier eingehen, sondern nur auf den Geist. Es ist der Oeist der Ethik. Wie im Mittelalter .- im Osten bis heute — die Ausübung der Mizwoth und der zeremoniellen Oebote das ganze Leben der Juden umfaßte und keine Handhing, keine Stunde ohne die religiöse Weihe ließ, so muß di<- jüdisch-nationale Ethik unser Leben unser Denken und unse; Tun — ganz erfüllen. Ich verstehe unter Ethik die Realisierung des Allmächtigen Oeistes. Ethik kennt keine Halbheit, kein Kompromiß, keine Kleinlichkeit. Sie weiß nichts von Lauheit und von Weichlichkeit des Willens. Sie, die hohe Schwester des Eros, hat nichts mit Eigensucht oder Bruderneid gemein. Aber sie will Gemeinschaft, Liebe, Hingabe. Sic verlangt den ganzen Menschen, den einzigen Willen, die reine Seele. Wir wissen nun, was wir tun müssen. Wir müssen ganz ernst, in geeinter Kraft zum Judentum zurückkehren, und wir werden den gnädigen Hauch der Ethik kennen lernen. Wir müssen es ganz ernst, ganz unbedingt diesmal tun, denn sonst bleibt nichts von unserem Ideal übrig. Die erste, zur Rückkehr willige Generation kam nur wenig über das wunderbare politische Ziel hinaus. Wir haben dieses abgestreift, leider abgestreift. Setzen wir jetzt nicht das Sittliche dafür ein, erfüllen wir nicht jetzt unsere Seele mit dem hohen Schwünge, was bleibt uns da? Was unterscheidet uns da von den Andern? Um es noch einmal zu sagen: Es gilt die Idee, das Ideal ganz aufzunehmen. In die jüdische Lehre einzudringen. Das Leben untadelhaft-sittlkh zu gestalten. Keine Stunde zu wanken, nachzugeben. Wenn wir von dem Baume des (gemeinen) Lebens genommen haben, geht das Paradies verloren. Ich verlange nicht etwa Abtötung des Fleisches. Und Abschließung des Geistes. Nein, das nie. Das ist undenkbar. Denn die Idee soll ja im Leben erfüllt werden. Und Oeist Jtcnnt schlechthin keine Absonderung, noch Auflösung oder Lösung. 'Auch ich unterscheide im H.-B. zwei Arten, von denen die einen aus Zweckbewußtsein, die andern aus Zielbewußtsein kamen. Die einen sind die, welche die Idee, das Ideal ergriffen haben, während die andern von der Idee, dem Ideal ergriffen wurden. Und für beide ist — für jeden in seiner Wesensart diese Hervorhebung der ethischen Forderung (und gleichzeitig) Grundlage eminent notwendig. Für die Jungen wie für die Alten unter uns. Denn hier liegt der Kernpunkt der Frage, wie Anhänger der nationalen Idee teilnahmslos daneben stehen können, wie

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