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Herzl-Bund-Blätter · 1917-04-01 · 35 (Apri 1917) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1917
Issue
35 (Apri 1917)
Date
1917-04-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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398 andersetzung mit den Formen usw. nachsagen können. Und wenn os sich darum allein handeln sollte, so kann ich jedem von uns — wie ich es schon einmal in diesen Blättern getan habe — nur sagen: Die primitivste .Voraussetzung für ein Ahnen jüdischen Geistes ist Kenntnis des Hebräischen und der Bibel. Und es ist, neben jüdischer Geschichte, das erste, was ein jeder von uns für sich zu tun hat. Aber hier handelt es sich nicht nur darum. Wir sind Zeugen merkwürdiger Verstiegenheiten, wir hören neue, mysteriöse Theorien und sehen eine Fülle von Unklarheiten sich entwickeln, die man nicht für möglich halten sollte. Und besorgt frage ich, ob wir denn nicht imstande sind, uns den reinen, ungetrübten Nationalismus, den wir uns gerade ganz erworben hatten, zu bewahren sei es aus nervöser Unbefriedigtheit Einzelner, t>ei es aus unruhiger Sucht nach Neuem. Wovon waren wir doch ausgegangen: 1. Von dem in uns lebendigen Gefühl und der logischen Erkenntnis, daß wir ein Volk sind wie alle Völker. Daß wir hier geknechtet, verfolgt und unterdrückt werden und darum dem nationalen Zerfall entgegengehen als Objekte einer Psychose, die leider solange eine dauernde sein muß, als wir uns nicht wieder einen Platz im Kreise der Völker, eine gesicherte Heimstätte schaffen; 2. Von der ererbten oder in uns geweckten Sehnsucht nach unserem Lande und unserer Sprache, die uns genau so beseelt wie andere Nationen; , 3. Von den uns von der Assimilation drohenden Gefahren und von dem Anormalen unserer wirtschaftliclien Gliederung, die gebieterisch die Rückkehr eines Teiles des Volkes zur Landwirtschaft fordern und damit Befestigung, Verwurzelung, Seßhaftmachung unserer Eigenart erstreben; 4. Von der Einsicht, daß dem Einzelnen von uns hier niemals ein volles Glücksgefühl, ein jüdisches Sich-Ausleben zuteil werden kann, weil die äußeren Bedingungen dafür fehlen. Ich kann darum Blumenfeld nicht folgen, wenn er die allgemeine Theorie des Nationalismus durch die „jüdische (wodurch jüdische?) Auffassung vom jüdischen Staat und Volk" erweitern will. Ich verstehe Bubers Standpunkt, dem Nationalismus an sich nichts, ja ein Unrecht ist und der an unserer Arbeit teilnimmt, weil er vom Judentum etwas ganz Besonderes in seiner dritten Rede sogar schon Vorausbestimmtes erwartet. Das ist der Glaube eines Einzelnen und seiner Schüler, das Sternensuclien reiner Idealisten. Wir aber sind Nationalisten. Wir geraten auf eine schiefe Ebene, wenn wir den Boden des nüchternen, sachlichen, zielbegrenzten Nationalismus verlassen und uns in das Reich des Glaubens begeben. Ich habe bisher gelacht, wenn davon ge-

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