Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 35 (Apri 1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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391 Menschen und ihr fachliches Können in den Dienst der Renaissance- Arbeit stellen. Ich rücke dies so sehr im Augenblick in den Vordergrund, weil ich in den letzten Diskussionsartikeln — um mich drastisch auszudrücken -- zu viel K.J.V.-Verwandtschaft finde. Das soll natürlich nicht etwa das berühren, was Dr. Alfred Wolff über die Arbeitsgemeinschaft der nationaljüdischen Jugend sagt. Dieses Zusammenarbeiten habe ich bereits in Leipzig gefordert, und es ist einfach unverständlich, daß es bisher nicht oder nur in geringen Anfängen zustande gekommen ist. Ich meine damit das Wiederkehren der Terminologie, der Zitate, der Oedanken, denen wir dort in der letzten Zeit begegnen. Nehmt den Aufsatz von Erich Roth, und Ihr findet „Wesenhafter Nationalismus", „Ziel- und Zweckbewußte", „Wille zur Erneuerung", „Zweiheit unseres Seins und Einheit unseres Lebens", und dazu einige ausführliche Buhcrzitatc. Gewiß, ihre Probleme sind auch zum großen Teil die unsrigen. Aber in diesem, wie ich fürchte, blinden Uebernehmen, steckt eine große Gefahr. Wir hatten uns, wie ich zu zeigen versuchte, zusammengeschlossen, um der nationalen Bewegung ideal gesinnte, von nationalem Geist und jüdischem Eifer erfüllte, dabei aber praktische, im Leben stehende Menschen zu bringen. Und sind anscheinend nahe daran, die Zahl der Problematiker zu vermehren oder - wie ja auch Walter Roth anführt — „ein Kränzchen schöner Seelen zu schaffen." (iehen wir nun auf die gestellten zwei Fragen ein und prüfen zunächst die Beantwortung, die die erste in unseren Blättern bisher erfahren hat: Im August-Heft sagte Erich Roth, er könne nicht viel Sachliches darüber sagen. Und was er an Negativem anführt, ist wahr, aber von geringer Bedeutung. Im Chanukkah-Heft meint er: „Wir müssen......ihre (gemeint: der jüdischen Geschichte) Aufgabe, das Kommen des Messias vorzubereiten, neu erfassen." Und weiter. „Die klare (!), tiefe Erkenntnis dieser Notwendigkeit......wird uns reicher und freudiger machen. Auch an die Beschäftigung mit den heiligen Büchern muß hier erinnert werden und an die Innehaltung unserer Feste". Ich kann nicht alles anführen, bitte aber die anderen Delegiertentag-Vorahnungen, die im Artikel enthalten sind, nachzulesen. Walter Roth nimmt zu zwei Ihinkten Stellung: zum Hebräischlernen und zu den jüdischen Formen. Und er berichtet von einem jüngeren Bundesbruder, der „lefillin lege und nur koscher esse, um sich mit dem Alten auseinanderzusetzen" (I). Kundesbrüder, als ich dies alles gelesen hatte, fragte ich mich, wo stehen wir eigentlich? Man wird mir nicht Vernachlässigung des Hebräischen und Unkenntnis der Bibel, mangelnde Ausein-