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Herzl-Bund-Blätter · 1916-12-01 · 34 (Dezember 1916) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1916
Issue
34 (Dezember 1916)
Date
1916-12-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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.Utf suchen und finden? Immer wieder sind uns der Faust odei die IX. Sinfonie die höchsten Offenbarungen. Wie viele gibt es untei uns, die schon versucht hatten im Judentum nicht nur ein Wollen und Werden /u sehen, sondern auch Erfüllung ihres Suchen«; nach den letzten Dingen des Seins zu finden?! Ich sehe hur unsere tiefste Tragik und noch keinen Weg zu einer Lösung. Wer zeigt ihn mir? Ich sprach von der absoluten Wertung der Jugend. Die Hindung unseres jungen Menschen im H.-C hat vielfach zu Konflikten mit der Familie geführt. Diese Frage ist der Natui der Dinge nach in der Provinz noch aktueller als in Kerlin. Die Schwierigkeiten, die es macht, einen so groben Teil unserci freien Zeit im (Muh zu verbringen, ohne daß die Familie sich hintan gesetzt fühlt, seien keineswegs verkannt. Aufs schärfste aber muß man sich gegen eine mangelnde Achtung, ein von oben Herabsehen auf die Familie, wenden. Das ist allcrschliinmster (iolus, den natürlichen Hoden, in dem die „starken Wurzeln unserer Kraft" stecken, gering zu schätzen. Fs wäre geradezu paradox, dann noch von Judentum zu sprechen. Die enge Hindling, die Sammlung aller sittlichen Kräfte in der Familie ist es gewesen, die das Judentum erhalten hat, die jüdische Familie, die wir uns gewiß schöner vorstellen, als sie sich heute vielfach darstellt, wird immer das Fundament des Judentums bleiben Nie darf das stolze Bewußtsein, an einer jungen idealen Bewegung mitzuarbeiten, zu einer Selbstüberhebung führen, aus der solche Konflikte entstehen, die bei dem nötigen guten Willen und Takt fast immer zu vermeiden sind. In diesem Zusammenhang ein paar Worte über das Erhalten der jüdischen Formen. Auch hier muli mindestens alleigrößte Achtung vor ihnen Voraussetzung sein. Fs geht nicht an, da II etwa an Feiertagen gewandert wird und ähnliches. Im vierten Heft von Bubers „Juden" läßt in einem Qesprich, das jüdische Erziehuugsfrageu behandelt, Elias Auerbach den Dr. Stein, (mit dem er sich wohl identifiziert) sagen: „Ich sehe m der Festhaltung und Ueberpflanzung dieser Bräuche einen wesentlichen Teil der jüdischen Erziehung". Gewiß, diese Dinge sind in der Hauptsache Aufgabe der Familien. Wenn sich abei neuerdings im H.-C. eine Gruppe gefunden hat, die sich bemüht, viele Formen wieder aufleben zu lassen, so können wir das nur freudig begrüßen. Ein jüngerer Bimdcshrudcr erzahlte mir neulich, daß er wieder Tefillin lege und nur noch koschei esse. Derartiges muß natürlich immer den Einzelnen überlassen bleiben. Interessant ist nur, daß der Betreffende seine Rückkehi zu unseren alten Bräuchen damit begründete, daß ihm, wenn er etwas Neues zu schaffen mithelfen sollte, es Notwendigkeit sei, sich mit dem Alten auseinanderzusetzen.

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