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Herzl-Bund-Blätter · 1916-12-01 · 34 (Dezember 1916) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1916
Issue
34 (Dezember 1916)
Date
1916-12-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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3o2 Hier heißt es, besonders bei der dauernd im Fluß befindlichen Entwicklung, auf dem Posten zu bleiben und die Fühlung nicht zu verlieren. Dasselbe gilt von unserer allgemein volkswirtschaftlichen Ausbildung, die ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit bleiben muß, ebenso wie die Palästinakunde. Gerade hier wird vieles, was wir vor dem Kriege lernten, überholt sein und revidiert werden müssen. Nun zur Frage des Hebräischen, fm wesentlichen gilt da noch das, was Otto Lehmann seinerzeit hier schrieb. Nur das uns für die Zukunft die Erfahrungen der letzten Jahre zugute kommen werden. Viele werden sich erinnern, welchen freudigen Widerhall der genannte Artikel damals bei uns fand, wie sich viele sofort mit schönem Eifer aufs Hebräische stürzten. Aber der Eifer allein tat es leider nicht und so erlebten wir, wie sich einer nach dem anderen still zurückzog, und nur ein „Fähnlein von ganz wenig Aufrechten" intensiv weiter lernte. „Wenn du nicht irrst, kommst du nicht zu Verstand" sagt Mephisto. Wir haben eingesehen, daß im Hebräischen insbesondere nur mit größtem Fleiß weiterzukommen ist. Und viel, sehr viel Zeit ist nötig. Einigen wenigen von uns ist es schon gelungen, sich hübsche Kenntnisse zu erwerben. Kaum einen aber wird es geben, der von der Notwendigkeit des Hebräischen nicht durchdrungen wäre. Aber man ist durch die Erfahrungen der letzten Jahre sehr skeptisch geworden. So schreibt mir jetzt einer unserer Allerbesten: „Glaubst Du wirklich daran, daß Dir — mir — dem und dem — nach dem Kriege, wo wir alle Hände voll zu tun haben werden unsere wirtschaftliche Existenz herzustellen, möglich sein wird, nur soviel zu lernen, um in absehbarer Zeit ein hebräisches Buch lesen zu können oder eine kurze, hebräische Unterhaltung zu führen?" Wir müssen dazu kommen. Es sei hier erwähnt, daß sich in Berlin ein Kreis gebildet hat, der sich mit dem Lesen und Uebersetzen der Thora befaßt und neben den anderen Werten, die dies Lesen vermittelt, auch zum Verständnis der hebräischen Sprache kommen will. Ich halte diesen Weg als den bei weitem besseren. Immer wieder hört man bei uns Meinungen: „Das was der Zionismus will, ist etwas ganz Neues. Die jungjüdische Bewegung ist aus Tendenzen entstanden, wie sie in der denkenden Jugend der ganzen Welt in unserer Zeit vorhanden sind. Wir stehen auf eigenen Füßen." Die Beschäftigung mit hebräischer Literatur, dessen, was von Juden in Jahrtausenden erschaffen worden ist, scheint ihnen ziemlich überflüssig. So wird, vielleicht, teilweise beeinflußt durch Wynekensche Gedanken, eine absolute Wertung der Jugend selbst getrieben. So unhistorisch solches Denken ist, einen so tiefen Zwiespalt zeigt es uns auch. Haben wir uns einmal ganz klar gemacht, was es bedeutet, daß wir neben allem anderen gerade aber unsere höchsten und heiligsten Eindrücke immer wieder außerhalb des Judentums

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