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Herzl-Bund-Blätter · 1916-12-01 · 34 (Dezember 1916) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1916
Issue
34 (Dezember 1916)
Date
1916-12-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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357 . Jugendliche Nut ist das: Line von Natur und durch Erziehung (siehe unsere Gymnasien) idealistische Jugend tritt in das Leben, das mehr denn je materiell orientiert ist. Heißt doch das „werde etwas", das Eltern heute ihren Kindern beim Eintritt in das praktische Leben zurufen, in nur allzuviel hallen: „erwirb etwas", sei es Geld, sei es Stellung. Hier kommt dann und gerade bei den Bestertrfler Zwiespalt zwischen jugendlichem Ideal und realer Wirklichkeit, und das ist jugendliche Not. Das Heilmittel kann hier nur im Ausgleich liegen, einfach deswegen, weil es auf diesem Gebiet keine absolute Wahrheit gibt. Wahr ist nur das, was sich durchsetzen kann. Es spricht für die Feinheit altjüdischer Auffassung, daß sie schon vor fast 2000 Jahren für den Ausgleich /wischen Ideal und Wirklichkeit eine Synthese in dem Thora im Derech Erez, (das wir heute frei mit Lehre und Leben übersetzen) fanden. Wir haben diesen Ausgleich in unseren. Zionismus gefunden. Die rauhe Wirklichkeit jüdischer Gegenwartsgeschichte, eine messianische Hoffnung, die atavistisch in uns fortwirkt und nicht zuletzt der klassische Idealismus, den die Erziehung in deutscher Kultur in uns erzeugte, sie haben bei uns eine glückliche Auslösung im Zionismus gefunden. Darum dürfen wir froh sein, die jugendliche Not überwunden /u haben oder nicht? Erich Roth schreibt doch, daß dies und das und jenes noch schlecht wäre, und er schreibt, man muß erst ein besserer Mensch werden, bevor man sich /.ionist nennen darf. Hier liegt ein logischer oder aber ein sachlicher Fehler zu Grunde. Wenn man aber, wie ich das, bei uns als selbstverständlich voraussetze, (s. meine Ausführungen über Kundeshrüderlichkeit I. H. B. Tag.) aus der Erkenntnis der nationalen Pflicht zum Zionismus gekommen ist, so ist man bereits ein besserer Mensch geworden. Man hat den Ausgleich, den ich vorher anführte, gefunden Stellt man jetzt weiter programmatisch Forderungen auf, die eine Idealisierung unseres Lebens verlangen, so gefährdet man die innere Ruhe derer, die durch ihren Zionismus über die Not ihrer Jugend hinwegkamen und in ihm einen festen Halt fanden. Man darf auch von den kleinen Mitteln, die Erich Roth anführt, nicht allzuviel erwarten. Jeder Mensch ist immer nur das, was er sein kann, wie Otto Lehmann sehr richtig schreibt. Vielleicht würde ich mich trotzdem nicht so ausführlich mit dem Rothschen Programm beschäftigen, denn in der Ausführung seiner Pläne, wie Lesen, Wandern, Theaterbesuch etc. etc. liegt gar keine Gefahr, man kann sogar von anderen < iesichtspunkten zu der gleichen Tätigkeit kommen. Eine Gefahr liegt aber darin,, daß wir Dingen, die nicht direkt auf unserem Weg liegen, einen zu großen Platz einräumen. Das führt vom Ziel ab, denn der Geist, aus dem zum Beispiel die Deutsche Neue Jugendbewegung oder auch die Wandervogelbewegung entstanden ist, ist ein ganz anderer, wie der, der uns geführt hat. Jenen ist ihre Ju-

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