Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 34 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4895413-5934801-5934892--390-4895777- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
356 kommen die Zielbewußten zum Zionismus. Der seelische Habitus des Zweckbewußten ist in der Kindheit im Großen und Oanzen schon fertig da. Er entwickelt sich wohl in Bezug auf Differenzierung, Stärke und Quantität, aber, um es zugespitzt zu sagen, eine eigene Entwicklung kennt er nicht. Er ist von vornherein auf bestimmte Lebensgebiete als Betätigungsfeld eingestellt ist ohne weiteres sachlich denkend. Wird ihm die Judennot nahe gebracht, und hat er Charakter, so hält er es für Anstandspflicht, sich dafür ins Zeug zu legen. Sein historischer Instinkt und die klare l'eberlegung machen ihn zum Zionisten. In der Notwendigkeit, diese beiden, hier in ihren ürenzpunkten umschriebenen Menschenarten zu vereinen, sah ich ein Kernproblem unserer Friedensarbeit. Sie zu vereinen, damit war nicht nur gemeint in einer Gemeinschaft, sondern auch im einzelnen Menschen diese beide Tendenzen zu einer Synthese zu führen. Ich glaube, daß dieses unserer Zeit not tut, und daß wii unter den wirtschaftlich tätigen Zionisten diese Aufgabe speziell durchzuführen haben. Denn die Folgerungen, die aus diesen verschiedenartigen seelischen Grundelementen sich unter uns ergeben, daß die einen etwa gute Menschen und schlechte Kaufleute, die andern gute Kaufleute und schlechte Menschen sind, — erscheinen mir für die zionistische Bewegung ungesund. Die einen müssen sachlichere, die anderen bessere Menschen werden. Wir brauchen königliche Kaufleute. Die Entwickelung, die vom Schnorrer über den Krämer und Händler zum Kaufmann führte, muß beim Kaufherren enden. Die zionistische Arbeit, und insbesondere die praktische zionistische Arbeit, erfordert beide seelischen Momente in einem Körper. Der arbeitende Zionist muß ein Schaffender sein; ein Schaffender, dessen Konzeption jenes Suchen und endliches Finden vorausging. Der römische Feldherr, der gotische Baumeister, sie kannten diese Konzeption des Irrens und Tastens nicht. Vielleicht empfinden wir hier in uns am tiefsten, was Galuth bedeutet. Vielleicht aber auch zeigt sich uns ein Weg, der uns aus der Zweiheit unseres Seins herausführt und uns die Einheit unseres Lebens gestalten hilft. Liebe Bundesbrüder. Ich mochte euch einige Worte zu dem Thema jugendlich.* Not sagen. Das Problem ist in der letzten Zeit von allen möglichen Richtungen bearbeitet worden und es haben sich bei Diskutierung dieser Frage Unklarheiten eingeschlichen, die klarzustellen erste Aufgabe sein muß.