Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 34 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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355 bedeutet. Meinungsverschiedenheiten sollen sachlich ausgetragen werden, wie überhaupt mehr Sachlichkeit, ein Arbeiten, ich möchte sagen, mehr nach wissenschaftlicher Methodik in unseru Hund kommen soll. Man versuche, wo Probleme sich ergeben, sie klar zu erkennen und zu umschreiben, ehe man au ihre „Losung" geht. Wie man eine Erziehungsarbeit nicht durch das dauernde Wiederholen sachlicher Begriffe .leisten kann, (wie ßuudcsbrüderlichkeit, Freundschaft, Blauweißgedanke, Familie, Disziplin usw.), sondern nur durch eine Persönlichkeit, zu der eine gewisse Distanz besteht oder durch die Gemeinschaft, so vergesse man auch nie, daß irgendwelche Fragen; selbst die unserer H.-C.- arbeit, durch das unablässige Wiederholen nicht durchdachter Gedanken und Worte weder klarer noch verständlicher werden. Mau vermeide überall das lässige Reden und Schreiben und beweise mehr durch die Arbeit, daß mau etwas zu leisten vermag. Nur wer auf geleistete Arbeit zurückweisen kann, sollte ein Recht haben mitzureden. In der diesem Aufsatz vorangegangenen Arbeit sprach ich von zwei Arten von Menschen, die in unserem Bund zusammenkamen, den „Ziel-" und den „Zweckbewußten". Es sind zwei tiefe menschliche Gegensätze, die letzten Endes gemeint waren. Einer unserer Freunde, Ferdinand Ostertag aus Glogau hat sie in einem Briefe in sehr feiner Weise umschrieben: In den einen, den Zielbewußten, so schrieb er ungefähr, ist der Drang zum Selbstwerden, zur Selbstverwirklichung ausschlaggebend. In diesem Drange tappen sie in allen Provinzen des Geistes herum. Kunst, Literatur, Sozialismus werden auf diese Weise anerlebt und zwar nicht aus eigemlich sachlichem Beweggrunde heraus, sondern um Stützen zu haben, an denen das eigene Ich sich emporranken kann. Diese revolutionären, flackernden Seelen nehmen die Richtlinien des geistigen Lebens in Kunst und Denken so sehr in sich auf und verdauen sie so gut, daß diese Richtlinien ihnen zu einer Lebensmacht werden, sie völlig beherrschen und durchdringen. Und wer von diesen Richtlinien, der Quintessen/ des geistigen und seelischen Lebens, so durchglüht ist, daß er nicht mehr im geistig, seelisch, künstlerischen'darinnen, sondern dieses in ihm ist, der kommt, wenn er den Weg zu Ende geht, zum Gemeinschaftsleben als d e r Verwirklichungsbasis alles geistigen und damit seiner selbst. Die Gemeinschaft des eigenen Volkes ist die schlechthin gegebene Gemeinschaft, weil formales und meist auch inhaltliches des eigenen Geistes dem Volksgeiste entsprungen ist.'*) Aus Entwicklungsdrang und ne'stiger Verbundenheit '■') Hei uns luden kommt hier die Kluft /wischen dem hontutrn und dem Intuhlidien imseret Seelenlebens hinzu, die unt das Gemein sdurtslrben als die H rücke über diese Kluft doppelt zu einer inneren NotwendigMt madit