Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 34 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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348 allein ist wesenhafter Nationalismus, alles andere ist formal, äußerlich. Auf die Weckung der sittlichen Kräfte kommt es an, die latent in jedem von uns liegen. Nichts unsittliches, nichts unwahres darf gesagt oder getan werden, Klarheit soll ein jeder sich schaffen, auch gegenüber Vorurteil und Tradition und eigenem Trieb. An dem Ringen der Menschheit, an den Kämpfen ihrer OrpBen lerne ein jeder, wie der Drang nach Wahrheit den Menschen bildet und formt, härtet und stählt. Und gegenüber diesem Ringen menschlichen Geistes erkenne er die Stille der dem menschlichen Willen abgewandten Natur in ihrer Urwahrheit. Wie oft verspüren wir das Wirken Gottes in der Natur, ehe wii ihn in uns selbst erleben. — Buber spricht einmal von drei Dingen, die dem Juden not tun. Schauen, leben und schaffen. Lernen wir schauen und leben, dann werden wir auch schaffen können. Was aber ist zu tun, um mehr Judentum, mehr von dem, was unserer Vater und Kinder Art war und sein soll, in uns zu gestalten? Wie können wir westeuropäischen Menschen, die wir in unserem Denken so erfüllt sind mit fremder Kultur, den Weg zu unserer eigenen zurückfinden, uns neu unser eigenes Leben schaffen? Der Weg /ur Zukunft führt über die Vergangenheit. Wir müssen verstehen lernen, wie die Geschichte unseres Volkes eine einzige ununterbrochene Tatsache war bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts. Daß dort ein Riß in unsere Geschichte gekommen ist, im Westen wie im Osten, und daß es gilt, ihren Sinn, die Sehnsucht nach dem Messias, zu erkennen, ihre Aufgabe, das Kommen des Messias vorzubereiten, neu zu erfassen. Die klare, tiefe Erkenntnis dieser Notwendigkeit, aus dem Wissen des geschichtlichen Geschehens heraus, wird uns fester mit unserem Judentum verknüpfen, uns reicher und freudiger machen. Auch an die Beschäftigung mit unseren heiligen Büchern muß hier erinnert werden und an die Innehaltung unserer Feste. Was Elias Auerbach im 4. Heft des „Juden" über die Erziehung der Kinder sagt, gilt gerade so für die der Erwachsenen. Auch uns, denen es immer und immer wieder darauf ankommen muß, uns ein jüdisches Milieu zu schaffen,*) bietet sich keine andere Form und Ausdrucksmöglichkeit, als „die historisch entstandene und mit religiösem Gewände bekleidete." Aber wir Reiferen werden vielleicht doch schon hie und da die tieferen, ethischen und nationalen Werte erkennen können, die in ihnen geborgen liegen. Weiter werden wir uns mehr als bisher mit dem Leben und Schaffen unseres Volkes beschäftigen müssen. „Kein Nationalist dei Welt weiß von seinem Volke so wenig, wie der ') Max Kober ugtr mir einmal, ehe der Hcrzl-Chib-RrctUu g»- erumU-t war: „I>t H.-<". »oll ein Stück Palästina im Qahirh tein."