Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 34 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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34« terem Wullen nationalistisch sein. Die Uebersiedlung nach Palästina ist unbedingte Forderung. Die parteipolitische Lösung des Problems, das diesen beiden Anschauungen zu Gründe liegt, ist einfach und selbstverständlich. Sie kann nur auf Seiten Oppenheimers liegen, denn es hieße eine zahlenmäßige Schwächung der zionistischen Bewegung, und damit ihrer ökonomischeu und politischen Stärke und Schlagkraft, wollte man von den zum Zionismus erst kommenden die Anerkennung seines Maximalprograntmes fordern.1) Anders liegt das Problem vom Standpunkte des einzelnen Zionisteii gesehen. Hier kann nur das radikalste Programm Geltung haben. Der Beschluß des Posener Delegiertentages alle deutschen Zionisten haben die Uebersiedlung nach Pal ästina in ihr Lebensprogramm aufzunehmen als Beschluß, als etwas, worüber man abstimmte, ist ein Unding, schlechthin eine contradictio in se;-') als Aufgabe, die der einzelne Zionist sich stellt, absolut und ungeachtet der Realitäten des Alltags, ist er eine unumgängliche zionistische Forderung. Das Problem liegt darin, den zionistischen Menschen so zu „/ionisieren", daß Palästina ihm eine innere Notwendigkeit wird. Die Lösung dieses Problemwird (muß nicht) die Lösung eines anderen mit sich bringen. Det Zionismus als solcher beruhte schlechthin auf einer Negation, wir sind noch nicht assimiliert, wir wollen uns nicht assimilieren. ) Was positiv gewollt war, wurde nicht gesagt. (Der damals rein materielle Begriff Palästina kommt hierbei nicht in Frage.) Es galt und gilt sich mit dem üaluth, der einzigen judischen Realität, die wir haben, auseinanderzusetzen. Die Frage lautet wie fülle ich meinen Nationalbegriff, der rein formal war, wir sind ein Volk, ein Volk, mit jüdischen Inhalten? Die Aufgabe, die hier gestellt wird, ist: I. unseren Standpunkt in der Auseinandersetzung Oppenheimer-ßlumenfeld zu formulieren, soweit diese das zionistische Lrziehungsprogramm (nicht das Parteiprogramm) berührt, 2. darzulegen versuchen, wieweit und wodurch wir uns zionisieren und uns einen jüdischen Inhalt geben können. Hierzu sei einleitend bemerkt, daß ich diese Fragen als die wichtigsten unserer ganzen Arbeit betrachte, ') 0*1) dieses gewissermaßen moralisch vollkommen zu rechtfertigen ist. braucht wohl nicht erst bewiese« /u werden. I)cr Zionismus ist in uns allen gewachsen, der zionistische Maßstab, mit dem wir heute rechnen, ist ein ganz anderer, als mit dem wir selben Menschen in den ersten Jahren unseres Zionismus gemessen haben. - auch uns selbst gegenüber. Der Zionismus als solcher ist gleichfalls gewachsen „Zionismus ist kein Zustand, sondern rin dauernder Prozeß." *) Auch der des holländischen Delegiertentages |0|5 in der Frage der Misihehe gehört in die Reihe solcher widersinnigen Beschlüsse. ■ Siehe Feuchtwanger „Die Judenfrage als wissenschaftliches und politisches Problem" Berlin IQ16, S. 2Q