Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 34 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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343 von Menschen und Erfahrungen, zusammen, aber die Kenntnis und Erkenntnis von Wesen und Notwendigkeit und Sonderart der einzelnen Organisationen ist doch leider vorläufig nur auf wenige beschränkt, die sich berufsmäßig oder als Führer in der Bewegung betätigen, um das lockende, lohnende Ziel, das die Ueberschrift dieser Zeilen andeutet, eine Arbeitsgemeinschaft der nationaljüdischen Jugend zu schaffen, welche nicht gelegentlich, von Fall zu Fall sich zusammenfindet, sonder systematisch im geordneten Organismus Zusammenarbeit, ist kaum in Aussicht genommen, geschweige denn erreicht. Und doch wäre sie ein Bedürfnis und eine Forderung des Friedens, die jetzt leiclitei anzubahnen und zu erfüllen wäre, wo in den einzelnen Vereinen das Leben oft schwer und träge dahinfließt, wo gegenseitige Befruchtung neues Blut zuführen würde, wo die geringere Zahl der in Betracht kommenden Vertreter die Keibungsflächen bedeutend vermindern würde, wo die Eigenart der einzelnen Vereine mit ihrer Tradition und ihren Sonderzielen nicht nivelliert werden würde, sondern sich unbeschadet der gemeinsamen Arbeit gut entwickeln würde. (Denn daß diese Sonderart- und interessen nie aufgegeben werden sollen, versteht sich für den von selbst, der den Wert einer Lebens- und Kampfgemeinschaft restlos bejaht.) — Voraussetzung ist freilich, daß man in unserer Bewegung nicht ein mechanisch aneinandergefügtes Aggregat von Personen und Verbänden sieht, sondern einen lebensfähigen, weitausgreifenden und doch zusammenhängenden < Irganisntus, ein Ganzes und eine Einheit, die mit ihren starken und doch dem üanzen sich gern unterordnenden Einzelteilen, ein Abbild unserer Zukunft ist, ein Judenstaat im kleinen, selbsttätig funktionierend im Golus und eine Hoffnung, mehr als das, eine Erfüllung von morgen, an der wir heute bereits unsere aufhauende Tätigkeit erproben können. Schreibt man unserer Jugendbewegung dies hohe Lebensziel zu und glaubt es erfüllbar, so wünscht man ihr und sich, daß sie wirklich als ein geschlossenes Ganzes alle erreichbaren Schichten des jüdischen Volkes in ihren Vereinen und anderen Olganisationsformen umfasse, nicht etwa bloß aus dem I \ pua des Bourgeois sich rekrutiere, sondern tief hineingreife in das unterirdisch drängende Leben der jüdischen Arbeiterschaft, die uns trotz ihrer in Berlin reichlich vorhandenen Vertreter so yanz unbekannt ist und deren Jugend, bis vor kurzem, vor der Gründüng des jüdischen Volksheims, ganz unbeeinflußt von uns empor« .vuehs. Spannt man nach der Ausdehnung, Große und Umfang das Ziel einer solchen Arbeitsgemeinschaft so weit, daß sie das Nebeneinander der vorhandenen Vereine in ein reges Miteinander des Interesses und der Arbeit bringt, ao setze man .sich auf der anderen Seite das Ziel einer umfassenden jüdischen Lebensgemeinschaft, die von frühester Kindheit an den Menschen in