Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 33 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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314 Sabbat in der Synagoge blicken läßt, hielt es für die vornehmste Aufgabe des Pädagogen, seine Zöglinge zu prügeln, so daß, als Klagen nicht halfen, die Eltern es vorzogen, die Kinder in die Stadtschule zu schicken. Zionistische Arbeit ruht in Sofia augenblicklich ganz, wie überhaupt jüdische Vereinstätigkeit seit dem Schließen des Alliancebüros erloschen ist. Prof. Boris Schatz, nach dessen derzeitigem Aufenthalt ich mich erkundigte, weilte kürzlich dort, kehrte aber bald nach Jaffa zurück. Nach der Darstellung meines Gewährsmannes herrscht in der Verwaltung der „deutschen" Judengemeinde zu Sofia eine Miß- und Günstlingswirtschaft, wie sie selbst in Deutschland selten wäre. Für das Judentum wird fast nichts getan, und das wenige auch nur, um Lebenskraft und Ansehen der Gemeinde zu vermindern. Auch sind in Bulgarien die Gesetze über Religionsgemeinschaften ähnlich wie in Frankreich. So gibt es jüdische Bankdirektoren und Großkaufleute, die für jeden Zweck Summen spenden, jedoch für einen jüdischen nie einen Pfennig erübrigen können. In der über einen kleinen Hof hinter dem „Großrabbinat" gelegenen Synagoge trafen wir im Wochentagsbetraum einige armselige Minjenleute und alte Männer, die sich bei unserm unerwarteten Eintritt achtungsvoll von ihren Plätzen erhoben, während der Chossen unablässig im Herunterleiern der Gebete tortfuhr. Ein Lichtstumpf verbreitete einen traurig-trüben Schein in dem schmucklosen Räumchen und mir wurde keineswegs festlich darin zu Mute. Wir gingen bald wieder, da ich auch noch gern dem Gottesdienst in der Spaniolensynagoge beigewohnt hätte. So kamen wir in die hinter der großen Markthalle gelegen^ prächtige Synagoge der Spaniolen, (die nur leider zu versteckt liegt). Es ist ein quadratischer Sandsteinbau mit einer großen und vier kleinen vergoldeten Kuppeln und hohen, symbolisch bemalten Fensterscheiben. Als wir vom Hofe aus den Tempel betreten wollten, kamen wir nicht weiter als bis an das Portal, so überfüllt war 'der an 1000 Personen fassende Raum. Er strahlte in hellstem Lichterglanze und auch die amphitheatralisch angelegten Damensitze konnten keinen freien Platz mehr aufweisen. Der Vorbeter, eine höchst patriarchalische Erscheinung, trug gerade die B'rochaus mit einem unsern Ohre ungewohnten näselnden Akzent aber prächtiger Modulation vor, begleitet von einem trefflich eingeübten Chor heller Knabenstimmen. Es gelang uns dann, etwas weiter in das Innere der Synagoge zu gelangen, wo auffallend viel Uniformen unter den Andichtigen zu bemerken waren, Oesterreicher, Fezträger, Bulgaren (unter letzteren auch Offiziere, dort zu Lande eine nicht ungewohnte Erscheinung), wenn auch die geringe Anzahl Aktiver auf die Unlust der Juden zurückzuführen ist, sich der militärischen Lauf-