Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 33 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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315 bahn 211 widmen. Innerhalb kurzer Zeit besuchte ich Gottesdienste in Brüssel, Lodz, wieder in Berlin, dann in Wien, Budapest, Belgrader Flüchtlinge in Jagodina, und das Oefühl überall unter meinesgleichen zu sein, hatte für midi so etwas Befriedigendes, Befreiendes — wie für einen Wüstenwanderer die Oase. Nie aber war der Eindruck des Gottesdienstes und der Gemeinde ein so überwältigender auf mich ruhelosen Kriegs-Kraftfahrer als in Sofia, wo mir, der Heimat am fernsten, das Allgegenwärtige unserer Art vor Augen trat, und ich das Hebräische als das Esperanto unseres Denkens und Fühlens erkannte. Was tat es daß der Rabbi den Gemeindesegen in einer .Sprache sprach, von der ich kein Wort verstehe. Da war die Stimme des Blutes lebendiger in mir als das gesprochene Wort und übertönte alles. In diesen, äußerlich als Oesterreich-Ungarn, Bulgaren und Türken kenntlich gemachten, die der Krieg hier zusammenbrachte, war das Innerste, der Geist, mein eigener. Pinchas Paul Loewenstein. Unsei Aeltester ist uns genommen worden. Als erstes Opfer unseres Berliner Herzl-Clubs hat der Krieg ihn gefordert. Und wieder hoffen wir, daß es unser letzter Verlust sein möge. Was wir alles in ihm verloren haben, will ich nicht lang ausführen. Wir Aelteren kannten ihn, den biederen, treuen, arbeitsamen Menschen mit der großzügigen, ideal gerichteten Denkungsart. Den Jungen aber würde eine Schilderung nur als Phrase erscheinen. Sie müssen sich damit bescheiden: Wir haben wieder einen unserer Besten verloren. Die letzten Jahre sahen ihn weniger unter uns. Es war nicht seine Schuld. Noch war unser Herzl-Club nicht so ausgestaltet, daß wir allen älteren und Alten unter uns eine Stätte geben konnten, wo sie jüdisches Leben, nationales Empfinden betätigten. Unsere Arbeit war auf unsere Jungen eingestellt. Es war unsere Schuld. Und so sahen wir Pinchas Paul weniger und nur bei besonderen Gelegenheiten. Er widmete sich ganz seiner geschäftlichen Tätigkeit, wurde Prokurist einer Versicherungsgesellschaft. Und doch ist falsch, was einer unserer Freunde mir ins Feld schrieb: „Es bedeutet weniger einen Verlust für den Herzl- Club als für den Zionismus überhaupt." Wenn wir seine Arbeit und sein Verhältnis zu uns betrachten, dann dürfen wir nicht vergessen, daß er es war, der mit andern den Herzl-Club Berlin