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Herzl-Bund-Blätter · 1916-08-01 · 33 (August 1916) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1916
Issue
33 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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310 Gedanken im Felde. Von Otto Lehmann, Hamburg. Jeder Mensch ist immer nur das, was er sein kann. Und das ist meist weniger, als es den Anschein hat. — Es ist doch gut, daß ich von früh auf gelernt habe, Masken zu tragen und Komödie zu spielen. — Wieviel leichter ist es mir heute, mit meinem eigensten Ich allein zu bleiben; heute, da ich es muß! — Aber auch mancher Streit, manch' zweckloses Aneinandergeraten mit den Kameraden wird so vermieden. Wenn die deutsche Jugend hier draußen das repräsentieit was deutsches Wesen ausmacht — und wäre ich als überzeugt.r Assimilant hinausgezogen: nur Dummheit könnte midi davor bewahren — zu sehen! — Zu sehen, daß es zweierlei ist lind zweierlei bleiben muß: deutsche Art und jüdisches Wesen. Ich füge hinzu: gut, daß es so ist. — Darin soll kein Vorurte! liegen. Dazu müßte man objektiv sein. Und um objektiv zu sein in Dingen, die mich selbst angehen, dazu bin ich nicht dum oder nicht schlau genug. — Kein Vorurteil also — sondern nichts als Freude über meine Art, froher Stolz, daß ich so bin. — Man hat uns oft als das zersetzende Moment hingestellt. Wir haben uns dagegen gestraubt. Nicht ganz überzeugt, aber doch ganz ehrlich. — Ehrlich: weil wir in uns den Drang fühlten, das Negative in uns zu .überwinden. Taten an Stelle von „Geist" zu setzen . . . Nicht ganz überzeugt: ja, weil wir sehen mußten, wie viele der Besten unter uns ihre zerrissene Seele aufschreien ließen in winselndem Hohn und bittrem Spott. Und wie sie selbst inr besseres Ich nicht verschonten vor diesen glühenden Zangen, so war auch alles da draußen — was den Menschen heilig war durch Tradition, — vor ihnen nicht sicher. — Ich glaube sie haben mehr vernichtet als befreit. — — Und doch war e< ja ihre Liebe zu all' diesen Dingen, zu ihrem eigenen Ich und dann die klare Erkenntnis von der Unfähigkeit ihrer Seele /u schaffen, das wars, was sie so werden ließ. Und liegt nicht auch jn uns allen, in uns Jungen dieses (jefährliche — hat es uns nicht auch schon gepackt? — Hoffen wir, daß unser Weg der rechte ist! — Lieber sterben, als erkennen müssen, daß eine ganze Lebensarbeit nur rückwärts führte! — Germanennaturen halten dem vielleicht stand. — In uns aber würde das Qefährliche siegen. — Wir würden auseinandergehen, bersten nach allen Seiten. — Und jeder kleinste Splittet dieses starken Baues müßte Wunden schlagen und ver-

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