Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 33 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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,M)9 Literatur sei nur die in der nationalen Sprache geschriebene Literatur zu verstehen. Für uns also kann als Nationalliteratur nur die in hebräischer Sprache geschriebene in Frage kommen. Denn wenn auch die Arbeiten eines Volksangehörigen in fremder Sprache eine Spur des Nationalgeistes seines Volkes in sich hätten, selbst wenn der Gegenstand in keinerlei Beziehung zu seinem Volke steht, so könnten sie nicht als Nationalliteratur ausgesprochen werden, denn sie gingen auf in der allgemeinen Literatur desjenigen Volkes, in dessen Sprache sie geschrieben seien. Für uns also würde demnach nur das hebräische in Betracht kommen. Auch der jüdisch-deutsche Jargon, die Sprache der Juden in Nordosteuropa, habe keinen Vorrang vor den andern Sprachen des Exils. Heute aber treten Männer auf, welche den Jargon als Nationalsprache hinstellen und dies auf folgende Art zu beweisen suchen: Das Hebräische werde seit Jahrtausenden nicht mehr gesprochen, und als Literatursprache sei es nur wenigen geläufig, anders der Jargon, in dem die meisten sprächen und schrieben. Daraus würde folgen, daß der Jargonliteratur und die Nationalliteratur werden und daß wir ihr unsere besten Kräfte weihen müßten. Achad Haam widerlegt diese Ansicht. Niemals hat bisher ein Volk, eine fremde Sprache als Nationalsprache angenommen, nachdem es während der ganzen Zeiten eine Sprache gehabt und in dieser Kulturwerte geschaffen habe. Dann aber verschwinde der Jargon langsam, je mehr die Jargon sprechenden Juden in Berührung kommen mit anderen, desto mehr geben sie ihn auf. In Amerika ist der Jargon nur noch die Sprache der Väter, nicht mehr die der Söhne. So geht der Jargon langsam seinem Untergange entgegen. Das hebräische aber muß unbedingt die nationale Sprache und die Sprache der nationalen Literatur bleiben und werden. Achad Haams Nationaljudentum und damit sein Verdienst um dieses besteht nicht allein in der Aufstellung der These von dem geistigen nationalen Zentrum in Palästina, sondern in vielleicht noch höherem Maße in etwas anderem. Achad Haam ist ein Kämpfer. Ueberall, wo er sieht, daß Anschauungen sich bilden, die schädlich wirken können, und sei es auch in Bewegungen, mit denen er sympathisiert, wie es ja bei der nationalen Bewegung von heute der Fall ist, da greift er ein und sucht in seiner vornehmen, aber scharfen Form Klarheit zu schaffen. So kommt es, daß seine Werke fast immer Kritiken und Widerlegungen falscher Ansichten sind. Aber er ist nicht der Oeist, der stets verneint, sondern immer wieder stellt er, nachdem er die Unrichtigkeit einer Ansicht bewiesen hat, als einziges Heilmittel hin: Die Schaffung des „geistigen nationalen Zentrums, die Konzentration des Volksgeistes in Zion". Das ist Achad Haams Nationaljudentum.