Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 33 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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308 stärkt, daß rief im Herzen unseres Volkes der Selbsterhaltungstrieb nicht schlummert noch schläft und daß er trotz aller unserer Irrtümer immer unsere Hand zwingt, das zu schaffen, dessen unser nationaler Bestand jetzt mehr denn je bedarf: ein festes Zentrum für unser Volk und seine Kultur . . . Und an einer andern Stelle sagt er, daß das, was er vor 20 Jahren (in seinem Artikel über Pinsker) als Traum geschildert hat, schon Wirklichkeit werde. Für Achad Haam ist naturgemäß sehr wichtig die nationale Erziehung zum Hebräischen, und in Palästina, (sagt er) „hat der hebräische Lehrer gesiegt" . . . Und er sieht nun dieses Zentrum, das für ihn Palästina immer ist und bleibt, an Umfang wachsen und sich auch qualitativ vervollkommnen, und er sieht die Erneuerung der Nationalkultur in ihrem historischen Zentrum. Aber er bleibt bei seinem Widerstand gegen den politischen Zionismus. Bei Achad Haams Betonung der Nationalkultur und der Erziehung zur und in der hebräischen Sprache konnte es nicht ausbleiben, daß er sich nicht allein mit den Gegnern seiner kulturellen Bestrebungen, sondern auch mit den Verfechtern des „Jargon" auseinandersetzen mußte Er geht von der Existenz einer originellen hebräischen Kultur aus, deren Werk die Bibel sei. Wenn sich der jüdische schöpferische Geist in der Zeit der Diaspora nicht betätigt hätte, dann bestände allerdings die Gefahr, daß diese Fähigkeit eingeschlummert sei. Das sei aber nicht der Fall, wenn auch die widrigen Verhältnisse im Exil den Schöpfungen des jüdischen Geistes ihren Stempel aufgedrückt hätten. Nur in der letzten Zeit, in der Zeit der Emanzipation und der Assimilation habe die jüdische Kultur wirklich zu schaffen aufgehört. Das liege nicht etwa daran, daß juf einmal die schöpferische Kraft zu Ende sei, sondern an dem Streben, das nationale eigene Wesen aufzugeben und sich unter den andern Völkern zu betätigen. Aber alle die Talente, die jüdischen Ursprungs seien und bei fremden Völkern wirkten, zeugten natürlich für den jüdischen schöpferischen Geist. Es sei nun jetzt soweit gekommen, daß in uns das Gefühl der Schmach hierüber ertötet sei, und wir seien im Gegenteil stolz darauf, wenn ein Jude unter den andern etwas Hervorragendes geleistet hätte. Achad Haam ist nicht der Ansicht, daß es die Hauptsacht sei, für die Menschheit zu schaffen, denn er glaubt an einen Unterschied zwischen der Arbeit eines Mannes inmitten seines Volkes und eines Mannes, der aus einem fremden Volke kommt. Weil aber die meisten unserer besten Kräfte im fremden Lager schaffen, darum können wir nur wenig Eigenes hervorbringen Dann kommt er auf die Nationalliteratur zu sprechen. Zunächst begrenzt Achad Haam diesen Begriff. Unter nationaler