Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 33 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4895413-5934801-5934884--342-4895730- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
307 aber wollen wir uns entscheiden? Palästina für das Judentum oder für die Judenhjeit? Am besten wäre es Tür beide zusammen, aber das ist nicht möglich, nicht allein wegen äußerer Hemmnisse, sondern, weil wir Idein Volk, sondern nur „Juden" sind. Also noch einmal: Für das Judentum oder für die Judenheit? Da ist Achad Haams Antwort: Zuerst für das Judentum, und die Judenheit wird nachkommjen, wenn sie nicht mehr aus „Juden" besteht, wenn das Herz wieder in wahrhafter Liebe Jerusalem entgegenschlagen wird. Fragst Du aber ängstlich: Wann werden wir am Ende unseres Weges sein? So höre Pinkers Antwort: „Weit, sehr weit ist der Hafen, den wir mit der Seele suchen, dem tausendjährigen Wanderer jedoch darf kein noch so weiter Weg zu lang sein." Auch hier verlangt Achad Haam wieder das geistige nationale Zentrum als Hauptsache. An Hand dieser Traumkonstruktion hat er uns zwar gezeigt, wie er sich dieses Zentrum vorstellt, jedoch muß dieser Begriff noch klarer formuliert werden, da er die Grundlage von Achad Haams Nationaljudentum ist. Die Voraussetzung eines Zentrums ist das Vorhandensein einer Peripherie; für ein nationales Zentrum ist eine nationale Peripherie notwendig. Für uns heißt dies also, daß Palästina der nationale Mittelpunkt für das gesamte Judentum wird, das weiter zerstreut ist über die ganze Erde, durch diesen Mittelpunkt aber weit gefestigter dasteht als früher, und ein „geistiges" bedeutet, daß die Beziehungen zwischen Palästina und der Diaspora sich auf geistige beschränken. Wie also i. B. Paris das geistige Zentrum Frankreichs ist, soll Palästina einst das der Juden der Diaspora werden. Ein geistiges nationales Zentrum, aber keine Heimstätte? Mit dieser Frage mußte sich Achad Haam näher beschäftigen, als ganz unabhängig von der Chibath Zion in Westeuropa der Zionismus aufkam. Er hat sich in bezug auf den Zionismus in seinen Anschauungen nach und nach gewandelt. Während er Herzls „Altneuland" ironisch kritisierte und auch über die ersten Zionistenkongresse abfällig urteilte, hat er später nach einer Reise nach * Palästina seine Ansichten geändert. Der Zionismus stellte die These auf von der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Achad Haam aber sagte: Nein! Palästina kann höchstens eine Heilstätte für unsern Ueist, nicht aber eine Heimstätte für unser Volk werden. Hier zeigt sich am deutlichsten sein Gegensatz zum praktischen und politischen Zionismus. Er ist gegen die „hohe Politik", er wünscht kulturelle Arbeit. „Israels Erlösung wird von Propheten geschehen, nicht von Diplomaten!" Später hat er milder geurteilt, so schreibt er im Jahre 1912 über seine Reise nach Palästina und aeinc Eindrücke vom X. Kongreß in Basel: „Alks, was ich in Basel und in Palästina gesehen habe, hat in mir die Zuversicht ge-