Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 33 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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306 es nicht angängig sei, wenn in Palästina Nichtjuden schalteten und daß man daher den Einfluß des Judentums in Palästina erweitern müsse. Als Mittel hierzu nahmen sie besonders in Aussicht: Ackerbau-Kolonien, Erziehungsanstalten und wohltätige Stiftungen. Von tüchtigen vorsichtigen Männern wurde die ganze Sache geleitet und durchgeführt. Nach einigen Jahren schon zeigten sich die ersten Ergebnisse. Die Kolonien haben sich bereits gut entwickelt und die Schulen verbreiten jüdische und allgemeine Bildung. Als sich in der Diaspora die Kunde davon verbreitete, daß es in Palästina echte Bauern gäbe, reisten \iele reiche Juden hin, um das Land aus eigener Erfahrung kennen zu lernen. Manche kauften sich auch dort Grundstücke und schlössen sich dem Bunde an. Durch den Einfluß der jungen Leute, die palästinische Schulen besucht und sich dort hebräische Kenntnisse erworben hatten und mit diesen nach dem Ausland kamen, wurden die gebildeten jüdischen Jünglinge in Europa, die bisher verächtlich auf das hebräische geblickt hatten, auf die Schönheit und Anmut dieser Sprache aufmerksam, begannen sie zu lernen und zu gebrauchen. Da erweiterte der Bund seine Tätigkeit, befaßte sich nun auch mit der Pflege von Sprache und Literatur und gründete in Jerusalem eine große hebräische Zeitung, und viele Schriftsteller erwarb er zu Mitarbeitern. Die Bücher, die in Palästina erschienen, wurden in der gesamten Diaspora mit Eifer und Freude gelesen, und die hebräische Literatur nahm immer mehr zu. Je mehr die Unternehmungen in Palästina zunahmen und besser wurden, desto größer wurde auch die Zahl der Teilnehmer, und je größer die Zahl der Teilnehmer wurde, desto mehr nahmen die Unternehmungen zu, und umso größer wurde der Einfluß auf den Geist der Diaspora. Die Bewegung, die uns Achad Haam hier konstruiert, ist eine, die durch die Frage des Judentums ihren Anstoß erhalten hat, die einem inneren Beweggrund entsprang und planmäßig betrieben wurde, sich vor Hast und Uebereihing hütete und so ihr Ziel erreichte, die Schaffung eines geistigen nationalen Zentrums in Palästina, „eines Zentrums, das dem ganzen Volke lieb und wert ist, das ganze Volk vereinigt und verbindet, eines Zentrums der Torah und der Wissenschaft, der Sprache, der Literatur, der körperlichen Arbeit und der seelischen Reinheit, einer echten „Miniatur" des jüdischen Volkes, wie es sein sollte". — Im heutigen Europa aber ist es anders, die Frage der Judenheit gibt der Frage des Judentums keinen Raum. Man fragt überall: Welches Land geben wir den Juden als Zufluchtsstätte? Die einen sagen: Palästina; die andern: Nein, äußere Hindernisse gestatten dies nicht. Achad Haam lißt Pinsker antworten: Ihr habt beide recht! Palästina kann keine Zufluchtsstätte sein für die Judenheit, aber sie kann und muß eine sein für das Judentum. Wofür