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Herzl-Bund-Blätter · 1916-08-01 · 33 (August 1916) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1916
Issue
33 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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305 Gemeinschaft noch das Leben des Einzelnen, das individuelle Leben gebe. Unsere Weisen jener Tage kamen den Individualisten entgegen, indem sie lehrten, daß das Glück, welches der einzelne sucht, ihm zuteil wird in der jenseitigen Welt, jedoch bedingt sei von seinem Verhalten auf Erden. Sie setzten also als Zweck einen individuellen, der den Zeitverhältnissen entsprach, während früher der Zweck national war. Die Schwächung des Nationalbewußtseins hat immer weiter Fortschritte gemacht, denn sie wurde naturgemäß durch die Leiden und Wanderungen im Qolus gefördert. Was wäre danach Aufgabe der Chibarh Zion gewesen? Für eine „Wiederbelebung der Herzen" zu sorgen, d. h. die Liebe zur Oesamtheit zu stärken. Das aber tat sie nicht, sondern sie sagte dem Volke, daß es in Palästina das Schlaraffenland finden würde, und daß es ihm nirgends besser gehen könnte als dort. So zogen denn manche hinaus und waren enttäuscht, als sie sogar Entbehrungen leiden mußten und nicht den erhofften Reichtum fanden. So ist die Gewalt der Idee der Chibath Zion ermattet und erschlafft. Darum ruft Achad Haam aus: „Nicht dies ist der Weg! Die Trümmer, die auf dem bereits beschrittenen Wege liegen, die wollen wir weiter bauen und ausgestalten, aber nicht von ihnen geht das Gelingen aus, sondern das Herz des Volkes muß die Grundlage sein, auf der das Land sich aufbauen kann." Das Herz also soll die Grundlage für die Arbeit in Erez Israel sein. Diese Forderung lautet in anderer Form: Palästina für das Judentum und nicht für die Judenheit. Was ist aber Judentum und was ist Judenheit? Die Antwort gibt Achad Haam in einem Aufsatz über: „Dr. Pinsker und seine Broschüre". Er versucht das auf die Art, daß er von der Voraussetzung ausgeht, es gäbe keinen Antisemitismus, und das jüdische Volk lebe unangefochten und völlig frei in allen Ländern, wobei es natürlich in der äußeren Assimilation Fortschritte gemacht hat. Unter den Juden erwacht die Frage des Judentums in nationalem Sinne. Es gibt kein Band mehr, welches die über alle Länder verstreuten Juden miteinander verbinden könnte, denn im Zustande der völlig durchgeführten Emanzipation gibt es keine hebräische Sprache und Literatur, und kein Unglück eines Teiles des Volkes ist vorhanden, das die Barmherzigkeit des andern regen könnte. Nur ein paar Männer sind es, die es nicht gerne sehen, wenn das Volk auf diese Weise zu Grunde geht, und diese versuchen die einzelnen Teile wieder zusammenzubringen. Sie hielten am besten für diesen Zweck die Gründung eines „Vereins zur Förderung der Ziontliebe", denn sie glaubten, daß die Juden nach Palästina immer noch mit einem gewissen Stolze blickten, zumal ja auch die andern Völker die Heiligkeit dieses Landes anerkannten. Sie machten den übrigen Juden klar, daß

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