Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 33 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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304 deutete — kam die Antwort: die Juden müßten erhalten bleiben um ihrer Mission willen, damit ihre Ideen allen Völkern einst die Erlösung brächten. Andere hielten die Leiden für eine unnütze Last, die man ohne weiteres von sich werfen kann — und suchten in ihren Wirtsvölkern aufzugehen. Viele aber wollten dem jüdischen Volke einen Zweck schaffen und der sollte sein: ein bewußtes Streben nach Zion, das jüdische Volk in Zion zu konzentrieren. So stand Israel „am Scheidewege". — Für Achad Haam gab es nur den letzten Weg: Die Konzentration des jüdischen Volkes in Zion. Aber er war mit der Bewegung, die diesen Qedanken durchführen wollte, mit der Chibath Zion nicht ganz zufrieden. Verlangte diese die Konzentration des jüdischen Volkes in Zion, so verlangte er die Konzentration des jüdischen VoHcsgeistes in Zion, ein geistiges nationales Zentrum in Palästina. Die Chibath Zion hatte ihrem Programm gemäß unter Widerstand vieler Kreise die Kolonisation Palästinas aufgenommen, sie hatte begonnen, ihre Gedanken in die Tat umzusetzen. In ihren Reihen herrschte darob große Freude und die kühnsten Träume schienen Wirklichkeit zu werden. Selbst die Feinde des Gedankens wurden ruhig und staunten. Da aber geschah etwas Seltsames; während der Gedanke bis zu dem Augenblicke, da er Tat zu werden begann, beim Volke mit Begeisterung aufgenommen worden war, eroberte er nach seinem Siege keine Herzen mehr; ja selbst die Anhänger schienen nicht mehr zu wollen als Erhaltung der wenigen gegründeten Kolonien, und selbst dies machte ihnen viele Mühe und Arbeit. Die Schuld an fiesem Abflauen der Bewegung wurde der Chalukka und dem Baron Rotschild gegeben. Achad Haam aber behauptete, die Ursache sei in dem zu schnellen Siege des Gedankens zu suchen, den er durch die Schuld seiner Anhänger errungen ha'be. Notwendig zur Durchführung dieses Gedankens — sagt Achad Haam — ist die Liebe des Einzelnen zum Wohlergehen der Gemeinschaft, und um die Macht dieser Liebe zu beweisen, die sie besitzt, um den für den Gedanken erforderlichen Glauben und Willen zu schaffen, geht er auf die Vergangenheit ein, um von da aus Schlüsse auf die Gegenwart zu ziehen. Alle Gebote, alle Segnungen, alle Fluchformeln, denen wir im Pentateuch begegnen, bezwecken immer nur das Wohlergehen der Gesamtheit, während das Gluck des einzelnen unberücksichtigt gelassen wird. Denn jeder einzelne ist nur ein Olied des Volkes, und das Glück der Gesamtheit kommt dem einzelnen zu Oute. Ob diese Art der Gesetzgebung eine große Nationalliebe hervorgerufen hat, ist uns nicht bekannt, wohl aber wissen wir, daß z. Zt. nach der Zerstörung des ersten Tempels, als das Wohlergehen der Gesamtheit den einzelnen nicht mehr hinzureißen und zu bereistem vermochte, viele erkannten, daß es auch außerhalb der