Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 33 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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303 redigierte er die hebräische Monatsschrift „Haschiloach", und seit 1908 lebt er in London, wo er Direktor der englischen Filiale einer nissischen Teefirma ist. Achad Haam war den größten Teil seines Lebens auch kaufmännisch tätig. Im Jahre 1884 begann er sich schriftstellerisch zu betätigen, vorher hat er wenig aktiv gearbeitet. Es war zu der Zeit, als die damals im Osten aufgekommene Bewegung der „Chibath Zion" an einem toten Punkte angelangt zu sein schien, als die Kolonisation in Palästina nicht die gewünschten Fortschritte machte; damals trat er mit einem Aufsatz: „Nicht dies ist der Weg" an die Oeffentlichkeit, in dem er die Mängel und Schwächen der „Chibath Zion" aufzudecken suchte. An diesen Artikel schloß sich eine scharfe Polemik, die ihm nicht mehr gestattete, wie er es ursprünglich gewollt hatte, wieder in sein beschauliches Leben zurückzukehren, sondern ihn zwang, weiter schriftstellerisch tätig zu sein. So ist er der Feder bis zum heutigen Tage treu geblieben. Achad Haams Stellung zum Judentum ist nur aus der geschichtlichen Entwickelung des jüdischen Volkes zu verstehen. Daher hierüber ein paar Worte. Während der Zeit der Selbständigkeit des israelitischen Volkes haben sich andauernd in seiner Mitte religiöse Kämpfe abgespielt. Immer wieder fiel das Volk von dem einzigen Gott ab und diente den Götzen; nur ganz selten und dann auch nur auf kurze Zeit war es dem Ewigen treu. Nicht den Richtern, nicht den wenigen frommen Königen, ja auch nicht den Propheten mit ihrer hinreißenden Sprache gelang es, das Volk dauernd an seinen Gott zu fesseln. Der Monotheismus, den Israel am Sinai empfangen hatte, war eine zu schwere Last für das Volk. Denn die Idee des einen einzigen Gottes war für )das VoHc zu abstrakt, als daß sie in ihm hätte Wurzeln schlagen können. Solange nun Israel auf seinem eigenen Boden lebte, konnte es auch ohne den Glauben an den einzigen Oott bestehen, wenn es auch außer Frage steht, daß der mangelnde Glaube Wen Verfall und den Untergang der Reiche Juda und Israel beschleunigt hat. Mit dem Moment aber, wo das jüdische Volk sein Heimatland verlor und über den Erdball verstreut wurde, war nui dieser Glaube imstande, et aufrecht zu erhalten, verbunden mit der Hoffnung, einst am Ende der Tage wieder nach seinem Heimatland zurückgebracht zu werden. Die Hoffnung hat den Juden in der Diaspora die Fähigkeit gegeben, alle Leiden standhaft zu ertragen, und nie hörte man die Frage: „Wozu leiden wir dies alles? Warum müssen wir so furchtbar um unser Leben ringen? — Und so sind wir bis heute durch das Golus gewandert Erst jetzt legten sich einige die Frage vor nach dem Zwecke all der Leiden und all der Not. Und auf «las Warum? — das schon allein die Erkenntnis der „Judennot" be-