Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 33 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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297 seiner Verwirklichung mitzuarbeiten. Wenn man fragt, wie solche Arbeit vom Herzl-Club aus geleistet werden soll, so kann ich darauf nur sehr wenig sachliches sagen. Zunächst und nebenbei etwas negatives: Das ist das Vermeiden aller überflüssigen Kaffeehausbesuche und ähnlicher Dinge, die in diesem Zusammenhang fallen. Es liegt etwas häßliches, sinnwidriges darin, wenn wir unsere Unterhaltungen und Gespräche durchaus in Nachtcafes und Bierlokalen bei Rauch und Alkohol führen müssen. Der Kaffeehausjude bildete seinerzeit in der zionistischen Ideologie ein beliebtes Schlagwort und erst seitdem der Zionist selbst wieder dort einzog, mußte er aus seiner Beweisführung verschwinden. Weiterhin etwas positives. Wandern und Körperkultur überhaupt. Das freie Leben draußen im Wald, das In sichaufnehmehkönnen all der herrlichen Pracht eines Sonnenaufgangs, das Sichhineinlebenkönnen in das Jugendhafte, Kraftvolle einer Frühlingslandschaft, das sind Fähigkeiten, die unsern Jungens zugute kommen werden; weil sie natürliche sind und alles Natürliche, Wahre und Ungebundene gestalten helfen. Die Arbeit, die geleistet werden muß, erstreckt sich auf das persönliche Leben des Einzelnen; es ist an das Mentorensystem zu erinnern, das wir vor dem Kriege einführen wollten. Nur eins sei gesagt, daß man bd der Auswahl der Mentoren nie vorsichtig genug sein kann. Denn diese Aufgabe ist so wichtig, und die Verantwortung so groß, daß wir nur den Besten von uns sie übergeben dürfen. Sache der Mentoren wird es sein, neben allem andern auch auf die Lektüre des einzelnen zu achten und in ihm den guten Geschmack und den Abscheu gegen allen Kitsch zu bilden, ganz gleich, ob der durch Feder, Pinsel oder sonstwas erzeugt ist. — Ich harte mit einem von uns, bevor er zum Militär ging, eine lange Unterredung. Er, der selbst noch jung war, wandte sich gegen diese meine Anschauungen und gegen die Art, wie ich sie durchsetzen wollte. Er meinte, im Vordergrund unserer ganzen Arbeit habe nur ein Gesichtspunkt zu stehen Der des Geldverdienens. Der Zionismus, so sagte er, braucht Geld und abermals Geld. Und wir Kaufleute sind die, die es zu beschaffen haben. Deshalb könnte unsere ganze Arbeit nur ein Ziel haben: unsere Jungen und Alten wirtschaftlich auszubilden, ihnen die Möglichkeit materiellen Fortkommens zu erleichtern. Später, wenn sie es zu etwas gebracht hätten, dann würden sie der Bewegung die für den Landerwerb notwendigen Summen zur Verfügung stellen. — Ich versuchte ihm klar zu machen, daß diese Methode aus vielen Gründen unrichtig wäre. Vornehmlich aber aus zweien. Einmal nämlich zerstört sie den Charakter, und zweitens, wer liefert die Garantie, daß wir später das Geld erhalten? Hier nähern wir uns der zweiten Hauptaufgabe, die ich oben mit dem Schlagwort „Außenarbeit" bezeichnete.