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Herzl-Bund-Blätter · 1916-08-01 · 33 (August 1916) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1916
Issue
33 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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296 und Außenarbeit" Wer die erste forderte, der hatte — zunächst einmal ganz roh — erkannt, daß es unsere selbstverständliche Aufgabe ist, einem jungen Menschen, der 2—3 Abende in der Woche durch uns in Anspruch genommen wird, auch bei der Aufnahme „allgemeiner Bildung" zur Seite zu stehen. Wer die zweite ausrief, hatte sich gesagt, daß wir nicht dauernd nur Lernende sein könnten, daß wir „aus unserer Reserve heraustreten" und leisten, aktiv, als einzelne oder als ganzes, uns an der zionistischen Arbeit beteiligen müßten. — Beide Gedanken bedeuten, wenn sie nur richtig erfaßt und — wichtiger noch — richtig durchgeführt werden, ungeheuer viel für uns; von der nur formalen Erfassung und Durchführung dieser Ideen allerdings ist herzlich wenig zu erwarten. Ich verstehe unter „Bildung" weit mehr, als die bloße Vermittelung von Wissen. Es handelt sich hierbei nicht darum. Es handelt sich um die Bildung des Charakters, um die Fundierung und Verankerung sittlicher Werte. — Die jüdische Jugend Deutschlands ist — in unserm Sinne — so verdorben, so krank, daß man den Gesundungsprozeß nicht mit der unmittelbaren jüdischen oder zionistischen Arbeit beginnen kann. Wir alle mußten erst den Gedankengang des Zionismus logisch begreifen, ehe wir uns der Bewegung anschlössen. Was viele von uns nicht taten, und was doch so ungemein bedeutsam war, ist dies: daß man auch ein andrer, besserer Mensch werden muß, ehe man sich Zionist nennt. Ich glaube, daß an dem üblen Typus zionistischer Phrasendrescher und Versammlungsredner, die nur das Wort und nicht die Tat kennen, das System ihrer Erziehung schuld ist. Man meinte, noch unter dem Eindruck der Massenagitation und des Charterzionismus stehend, möglichst viel zionistisches Wissen, möglichst schlagbereite Kenntnis der zionistischen Theorie dem jungen Menschen auf den Weg geben zu müssen. Man schuf Menschen mit Witz und Verstand und vernachlässigte ihre Seele. Mit der Aufgabe des Chartergedankens und der beginnenden Einsicht, daß der Zionismus uns nicht nur Zukunft, sondern auch Gegenwart sein kann, wofern wir ihn nur richtig verstehen und erleben, brach sich erst die zweite Erkenntnis durch. Daß es einzig und allein darauf ankomme, daß der junge Mensch, der tief in sich, das, \was wir Galuth heißen, empfand, aus sich heraus den Willen zur Erneuerung schuf. Der Ruf „Mehr Judentum" entstand, aber es zeigte sich, daß viele von uns nicht fähig waren dazu. Der Uebergang war zu schroff und unvermittelt. Unsere ganze Erziehung kann im Anfang gar Kein andres Ziel haben, als den nationalen Willen in all seiner Reinheit und Unbedingtheit in jedem von uns zu wecken und zu gestalten. Denn erst dann, wenn der jüdische Mensch restlos seine jüdische Zukunft bejaht hat, bewußt be- •iht hat, wird er fähig sein, unser Ziel voll zu erfassen, *n

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