Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 31/32 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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281 ist es. was für ein gutes Deutsch die Juden alle hier sprechen. Und stotz erzählten mir die Knaben, daß sie deutsch in der Schule lernten und sogar lesen könnten. Sie besuchen alle den Cheder und die öffentliche Schule, in der deutsch unterrichtet wird, nur mit dem Resultat, daß kein Polenkind daran denkt, deutsch zu sprechen, während die Judenkinder schnell und gern deutsch erlernen. Ich sprach mal einen Jungen von vielleicht 16 Jahren, der ein gutes Deutsch sprach, jeden falschen Ausdruck sofort verbesserte und sehr sicher zu sein schien. Auf meine Frage hörte ich, daß er deutsch autodidaktisch durch Lesen und Lernen erlernt hätte. Kine erstaunliche Leistung - Ich unterhielt mich sehr angeregt mit der Familie, zu der sich bald der Vater, ein würdiger Greis gesellte. Als ich abends nochmals dorthin ging, schenkte ich den Kindern das Chadgadjabuch der ZVfD. Sie freuten sich sehr damit und werdens sicher in Fhren halten. (Hatte ich euch übrigens schon geschrieben, daß am . . . mein Munutionswagen mit meiner gesamten Habe bei einem Flußübergang auf einer schlechten Notbrücke ins Wasser gestürzt ist? Alles verloren und ersoffen! Nichts hab ich mehr außer dem. was ich auf dem Leib trage. Auch all die schonen Bücher sind weg. War es da nicht doppelt schön, daß dieses Buch so noch seinen Zweck weiter erfüllt?) . . Moritz Wasserhart Fritz Speyer Willy Behrend - und nun auch unser lieber Wasserhart. Der dritte schwere Verlust, den der Herzl- Club Hannover erleiden mußte! Möge es doch der letzte Schlag sen! Früh verwaist besuchte Wasserhart in Hannover eine jüdische Stiftungsschule. Durch seine außergewöhnliche Begabung lenkte er alsbald das Interesse seiner Lehrer auf sich, sodaß man ihn auf eine Oberrealschule schickte, die er bis zum Maturum als Primus absolvierte Aus verschiedenen Gründen war es Wasserhart leider nicht vergönnt, ein Studium zu ergreifen. Er ging ins Bankfach über, um später nach Konstantinopel überzusiedeln. Wasserhart war ein Mitbegründer des Herzl-Club Hannover. Das Leben machte ihn frühzeitig ernst und reif. Für ihn bedeutete der Zionismus Alles. Selten sah ich jemanden, der sich so begeistert und stolz für eine Sache einsetzte, nie aber jemanden, der trotz seiner Bescheidenheit alle so überragte.