Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 31/32 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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278 statt dessen mich aber abends zur Hawd >loh einlud, was mir gern bewilligt wurde. Die Bitte, doch bei ihnen zu nächtigen, mußte ich abschlagen, trotzdem so etwas wie Bett viel verlockendes hatte. - Ich schlenderte weiter durch das langgezogene Dorf. — Hei einer Familie, die aus 7 Mitgliedern bestand: der Mann in den besten Jahren, seine Frau schon älter aussehend, der Sohn 16 Jahre alt. jedoch wie 20 aussehend, 2 junge Backfische und so diverses Gemüse — sprach ich auch vom Zionismus. Man hatte davon gehört, kannte ihn und zeigte nicht die Ueberraschung, die bei uns Nichtzionisten an den Tag legen, wenn man sich als Zionist entpuppt. Als ich den Familienvater nach seiner Meinung fragte betreffs des Z.. meinie er: .Nu ja. das ist eine gute Sache, wenn es so kommt, gut für alle." Durchzuholen war «aber es jst noch nicht sicher, obs so kommt und dann ists eben nichts damit." Das Interesse an unserer Bewegung erschöpfte sich also in einem bejahenden Werturteil, das ihn — den Skeptiker — aber keinesfalls irgendwie zur aktiven Mitarbeit bringen konnte. Ich verzichtete natürlich auf die Bearbeitung meines Freundes, denn ist es schon schwer, einen Menschen in einer halben Stunde überhaüpt irgendwie zu beeinflussen, so ist es ganz unmöglich bei einem alten Juden. — Im allgemeinen machten unsere Leute einen netten Eindruck. — Fin Mann mißfiel mir. Fr näherte sich einigen Kameraden und mir und begann ein Gespräch. Ich erwähnte darin was vom* Schabbes und er fragte, ob ich Jude sei. Als meine Kameraden das nun lebhaft bejahten, meinte er beschwichtigend: .Nu. das ist ganz egal, Soldat ist Soldat" und erzählte von seinen beiden eingezogenen Söhnen, die beide k und k Schlächter spielten. Fr schien eine üble Assiinilantennatur zu sein Abends ging ich wieder zu meinem alten Freunde Zu meinem Erstaunen entpuppte er sich jetzt als gesegneter Familienvater. Neben seiner Frau und seiner hübschen ganz blonden 17 jährigen Tochter war da noch ein Blondtöchterchen und 4 kleine Bochers. Uebrigens sind die Kinder hier, besonders die Knaben, oft von geradezu überraschender Schönheit. Ihr zarter Teint paßt gut zu dem sanft melancholisch, nachdenklich witzig.n Ausdruck des Gesichts. Sehr oft findet man auch die schönsten blauen Augen. Ich habe nie Kinder mit dummem, selten Kinder mit abstoßendem Gesicht gesehen. Und die Pajes, sie sind nichts merkwürdiges mehr für mich, auch sehe ich in ihnen nicht nur noch Ausgeburten uralter Tradition. Nein, es ist. als habe die liebe Mutter diese feinen leuchtenden Gesichter schmücken, die Schönheit des Ausdruckes einrahmen wollen. Und wie bei uns zu Hause die zärtliche Mutter das be*6rg1 mit bunten Schleifen oder Spitzenkragen, so hat die jüdische Mutter zu diesem Zweck den natürlichen Schmuck ihrer Lieblinge, das Haar, genommen —