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Herzl-Bund-Blätter · 1915-12-01 · 31/32 (Dezember 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
31/32 (Dezember 1915)
Date
1915-12-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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277 sehr wenig rationell. Die Dörfer, durch die wir kamen, waren klein. Das erste und letzte Haus fast stets von Juden bewohnt, die an den Fenstern saßen. Apfelsinen vor sich, die sie den schmachtenden Soldaten gegen ziemlich üble Preise verkauften. Am zweiten Tage (Schabbes) hielten wir etwas länger in einem größeren Dorf. Alles stürmte das Haus eines Juden, der so manches zu verkaufen hatte. Apfelsinen, Feigen, Pfefferminz, Wein, Schokolade. Selbstverständlich verkaufen in dieser Zeit alle Juden auch am heiligen Schabbes. Ich versah mich auch zuerst mit den notwendigen Vorräten und fing dann eine kleine Plauderei mit den Leuten an: Mann, Frau und eine ganz hübsche, siebzehnjährige Tochter. Kaum hatte ich mich als Juden zu erkennen gegeben — gleich wurden sie sehr viel zutraulicher und freundlicher. Ja, die jüdische Gastfreundschaft. — Man zog sogar eine sorgfältig versteckte, dickbauchige Flasche hervor und schenkte mir einen Schnaps ein. Als ich scheiden mußte, entließ man mich mit den herzlichsten Segenswünschen, teils deutsch, teils hebräisch, die immer mit den Worten begannen: Der Herr soll geben, daß . . . Am Nachmittage dieses Tages kamen wir in das idyllisch gelegene Dörfchen N . .. Fs hieß, der nächste Tag sollte ein Ruhetag sein. Das war fein, denn bei der Hitze stets auf dem Marsche, bergauf, bergab*(nachts kalt bis zum Fisklumpenwerden). da war das mal was Schönes. Das erste war ein Bad im Flusse und neue Wäsche. Dann wurden wir in den Schulhäusern einquartiert. Das hat viel für sich. Brauchte man doch dort kein Ungeziefer zu fürchten und dem Verlaustwerden waren wir bisher Gottlob entgangen. Dann gings gleich auf die Judensuche, eine Beschädigung von mir, die ich getreulich sofort in jedem Dorfe aufnahm. Bald fand ich einen Schokolade verkaufenden Juden. Ich erstand für viel Geld wenig Schokolade, damit aber auch die Berechtigung, ein Gespräch anzuknüpfen mit ihm und seiner schönen Tochter. So ganz nebenbei fragte ich dabei: „wann er denn heute Abend „Haw doloh" zu machen gedenke? Ein kurzes Aufsehen und verstehendes Lächeln und: .Sic seien a Jüd?"— Ich bejahte es, was mir einen herzhaften Händedruck eintrug; dann waren wir bald im Gespräch. Ich ließ mir die Russenzeit schildern; übel haben die da gehaust Kaum, daß sie auf seine Schwelle traten, und ihr Blick fiel auf seine guten Stiefel, hatten sie den alten Mann schon gepackt und sie ihm von den Füßen gerissen. — Er hat mir sicherlich nicht alles erzählt, was diese Schweinehunde alles angerichtet haben. Auf meine Frage, wie die Juden sich hier mit den Polen vertrugen,,bekam ich die überraschende Antwort: Durchweg sehr gut! wir sprachen noch über verschiedene Dinge, auch einen Schnaps sollte ich haben, den ich ablehnte,

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