Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 31/32 (Dezember 1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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272 dem allzu geistigen, disziplinlosen Gehirn des Jud^n eingehämmert werden mußie. Heute freilich feierte er Triumphe wie sonst in der Welt auch bei uns; er hält zusammen, was auseinanderzufallen drohte; er legt die ungeschriebenen Gesetze und Pflichten auf, die dem Einzelnen seine Aufgabe gegen die Gemeinschaft begrenzen; er knüpft an die einstigen Gemeingefühle, die Zusammengehörigkeit an, die einst die Juden der Welt verband, und verdichtet sie zur starken und harten Fessel, die wohltätig ist. Er schafft vorbauend eine Judengemeinschaft, die das Judentum von morgen vorwegnimmt. Wieviel da freilich noch fehlt, spürt jed«r und schöpft daraus die strenge Mahnung s an sich, die Lücken zu füllen, die er selbst gelassen, und auch die, die mit schmerzhafter Wucht der Tod und Krieg in die Reihen gerissen. Es lernt ein jeder, draußen und daheim, daß seine Veranwortlichkeit größer ist, als je, und vor seinem Auge , steigt der zionistische Imperativ auf, der uns ins Ohr dröhnen und unsere Herzen höher schlagen lassen soll: Verhalte dich so, als wenn du nur noch der einzige Zionist wärest, als erster Vorläufer oder als letzter Ueberrest und verhalte dich so, als wenn der ganze Zionismus in dir zusammenliefe und verkörpert wäre: verantwortlich sollst du ihm sein wie deinem Leben und mehr als deinem Leben: denn er ist die Ewigkeit, und du nur ein Augenblick, und er ist deine Kraft, er aber auch deine Unsterblichkeit! Gottesdienst in Flandern. Von Waller Samuel. Rauschhaschonoh! „Die Isrealiten sind an ihrem Neujahrsfest zum Gottesdienst nach Roulers beurlaubt", sagte uns der Feldwebel eine Woche vor Beginn der Feiertage. Bei uns vier Juden der Kompagnie herrschte darob große Freude. Lange hatten wir keinem Gottesdienste beigewohnt, und wenn auch das religiöse Bedürfnis nicht bei allen gleich stark war, so sehnte sich doch jeder danach wieder einmal mit Juden zusammen zu sein, die alte Sprache, die alten Gebete zu hören, in aller Ruhe, fern von der Stätte des Krieges das Gefühl des Feiertages ganz auskosten zu können, an einem Orte, von dem er sich sagen konnte: Hier bin ich Jude, hier darf ichs sein. — Es sollte jedoch wieder einmal anders kommen. In letzter Stunde wurde bekannt gegeben, daß wir uns zum Gottesdienst nach H . einem Dorf, lü Minuten von unserm Ruhequartier entfernt, das sich noch in der Kriegszone befindet und daher alle Spuren